Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Altstadtfreunde „entdecken“ weitere Keller im Osten des Laufer Marktplatzes

Seit vielen Jahren betreuen die Altstadtfreunde die Felsenkeller unter den Häusern am Marktplatz in Lauf. Neugierde und offene Fragen veranlassen immer wieder, noch unbekannte Bereiche um den Marktplatz zu erforschen. So ist es nicht erstaunlich, dass sie bei Bauarbeiten, die anscheinend einen Keller der Stadt-Apotheke betrafen, ihr Interesse bekundeten.

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Die Keller unter dem Anwesen Marktplatz 31, der Stadt-Apotheke, sind wenig bekannt, da sie nicht zum Ensemble der Felsenkeller gehören, also nicht aus dem natürlichen Sandstein herausgeschlagen wurden. Sie sind aber nicht weniger interessant. Einige Altstadtfreunde hatten die Gelegenheit, auch in diese Bereiche hinabzusteigen und die Keller zu besichtigen.

Die Stadt-Apotheke hat eine lange Tradition und Geschichte. Sie wurde bis ins 19. Jahrhundert auch als „alte Apotheke“ bezeichnet.

In ihrem Ursprung geht sie auf den Apotheker Christoph Trew (1641-1717) zurück. Er bekam die Erlaubnis in Lauf eine Apotheke zu errichten. Diese befand sich im Haus Nr. 22 rechts neben der Toreinfahrt des Hotels Wilder Mann. Die Eröffnung ist auf den 31. Juli 1665 datiert. Nach seinem Tode führte sein Sohn Conrad Christoph die Apotheke weiter. Ein zweiter Sohn war der berühmte Mediziner und Botaniker Christoph Jakob Trew, geb. 1695 in Lauf. In der Folgezeit wechselten die Besitzer der Apotheke mehrmals.  Als im Jahre 1801 der Apotheker und Besitzer des Anwesens Marktplatz 22 stirbt, verkauft dessen Witwe 1802 die „Offizin“, also die Apothekeneinrichtung mit allen Rechten an den Apotheker Conrad Christoph Burger. Um die Apotheke weiter betreiben zu können, kaufte er für den Betrieb und als Wohnhaus das Anwesen am Marktplatz 31. Die heutige Form mit der steinernen Fassade erhält das Haus erst im 19. Jahrhundert unter dem Apotheker und Besitzer Georg Ernst Krämer (verst. 1852). Insgesamt wurde die Apotheke von 16 Eigentümern in ununterbrochener Reihenfolge geführt. 1959 kaufte Dr. Hans Herrmann die Apotheke, die heute von seiner Enkelin, der Apothekerin Stefanie Herrmann, geführt wird.

Beschreibung Keller 1

Die Umbaumaßnahmen betrafen einen Keller, der sich rechts hinter dem Verkaufsraum im Osten der Apotheke befindet. Der Zugang erfolgt über fünf Stufen und durch eine feuerfeste Tür. Der Lichtschalter befindet sich außerhalb, um einer Explosionsgefahr zu begegnen; schließlich werden in diesem Raum auch gefährliche Stoffe gelagert.

Es handelt sich hier um ein aus Sandstein gemauertes Gewölbe mit einer Mittelsäule. Der Raum ist 4,90 m lang und 4,70 m breit; die Gewölbehöhe beträgt 1,90 m. Dieser Keller wurde im Frühsommer 2016 saniert.

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Hier wurde exemplarisch vorgeführt, wie ein historischer Kellerraum mit entsprechendem Aufwand saniert wurde. Dem Apotheker Hermann gebührt dafür höchste Anerkennung. Es ist nur schade, dass dieses Schmuckstück mit seiner Mittelsäule und dem Gewölbe nicht öffentlich gezeigt werden kann.

Beschreibung Keller 2

Bei Gesprächen mit dem Hausbesitzer kam heraus, dass sich unter der Apotheke ein zweiter Kellerraum befindet, der nicht mit dem ersten verbunden ist. Dieser größere der beiden Keller ist durch eine Falltür im Büro hinter dem Ladenraum der Apotheke begehbar. Es handelt sich um einen gemauerten Gewölbekeller aus Sandsteinblöcken. Betreten wird der Keller über eine 15 Meter lange Treppe.

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Neben der 24. Stufe von oben befindet sich eine Mauernische, die mit einer Metalltür verschließbar war. Die Tür wurde ausgehängt und rostet unter der Nische auf der Treppe vor sich hin. Über der Nische ist ein ovales Emailleschild mit der Aufschrift Phosphor angebracht und in der Nische stehen zwei metallene Behältnisse, in denen Phosphor aufbewahrt wurde.

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Der Kellerraum ist 5,43 Meter breit und 9,64 Meter lang, die Gewölbehöhe beträgt 3 Meter. Das Gewölbe beginnt nach 1,12 Meter ab der letzten Treppenstufe und verfügt über mehrere Belüftungsschächte.

Neben der Treppe befindet sich ein gemauertes  Abteil mit 2 Meter Breite und 2,10 Meter Länge. Die Mauer wurde in das Gewölbe eingefügt, ihre Höhe beträgt ca. 1,40 Meter. Das Abteil ist durch eine Tür in der "Giebelseite" begehbar.

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Eine ausführliche Beschreibung über die Nutzung des Kellers ist nicht überliefert. Man kann also nur aufgrund der wenigen Unterlagen Möglichkeiten ansprechen. In einem Buch von Meyer und Schwemmer (1966, S. 255) steht über das Anwesen Marktplatz 31, dass mit dem Haus eine reale Brau- und Apothekergerechtigkeit verbunden war. So kann man annehmen, dass die Keller auch für die Lagerung von Bier verwendet wurden. Ein Apotheker nutzte einen Keller aber auch für kühl zu lagernde Materialien wie Fette, Salben, Öle und Flüssigkeiten, denn die Arzneimittel wurden vom Apotheker selbst hergestellt. In diesen Kontext passt auch die Nische neben der Kellertreppe mit der Anschrift: „Phosphor“ und das Bild mit der Weinflasche, das belegt, dass früher auch Wein gegen Rezept verkauft wurde. „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ Diese sicher bekannte Aussage von Paracelsus beherzigten die Apotheker durch alle Zeiten. So ist ein Wein zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge getrunken als Arznei willkommen und schadet keinesfalls. – So dachte mit Sicherheit auch der Apotheker der Stadt-Apotheke.

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Von den Felsenkellern an der Nordseite des Marktplatzes ist bekannt, dass im 2. Weltkrieg einige durch schmale Schlupföffnungen miteinander verbunden wurden, um im Ernstfall ein zerbombtes oder brennendes Haus über den Nachbarn wieder verlassen zu können. Eine mit weißen Backsteinen vermauerte Stelle lässt vermuten, dass auch im Nebenhaus ein Felsenkeller existiert, der über diesen Gang zugänglich war.

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Keller unter dem angrenzenden Haus Marktplatz 30

Das Nachbarhaus, Marktplatz 30, besticht nicht durch eine aufwändige Fassade wie die Apotheke, hatte aber dieselben Rechte und Pflichten: Der Bewohner durfte in der Laufer Nessenau Streu holen, im Sebalder Forst Brennholz schlagen, hatte das Braurecht, musste 30 X (Kreuzer) Wachtgeld für den Nachtwächter an die Stadtkammer abführen, dem Mesner eine Garbe Getreide abführen ("Läutgarbe"), wenn Getreide angebaut wurde und er musste den Blutzehent an das Spital zahlen, das heißt für jede Kuh 2 X, jede Schweinsmutter 5 X, von den Lämmern und jedem Geflügel das 10. Stück abgeben.

Der erste im "Preu-Wesen" von 1746 genannte Besitzer war Simon Miller, Bäckermeister, doch auch Metzger und Maurermeister zählten zu den Besitzern. In den Straßenverzeichnissen von 1912 und von 1932 ist ein Johann Müller, Flaschnermeister, genannt.

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Es gibt sicher einige Zeitgenossen, die aus Angst vor den steilen Treppen oder vor Spinnen nie in die Tiefen der Keller absteigen, doch dem mutigen Besucher eröffnet sich eine Welt, die den Atem der Geschichte spüren lässt und deren Charme man sich kaum entziehen kann.

Der Zugang liegt im Hausflur, abgedeckt mit einer schweren Metallplatte. Die ersten 12 Stufen sind nur 76 cm breit, die folgenden 24 Stufen haben die komfortable Breite von 137 cm.

 

Dazwischen öffnet sich links (abwärts) ein kleines Gelass, das ein Gewölbe aufweist.

Gegenüber ist ein gemauerter Schacht. Über der Öffnung befindet sich in die Mauer eingraviert die Zahl 1704 und daneben ein Zoiglstern oder Flinter, ein Bierbrauerzeichen. Weiter unten an der linken Treppenseite befindet sich eine kleine Nische, über der sind die Jahreszahl 1740 A. M. und ebenfalls ein Flinter eingraviert.

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Am Fuß der Treppe folgt noch ein ebener Gang von 3 m Länge, ehe man über eine letzte Stufe den großen Kellerraum betritt. Dieser aus Sandsteinblöcken gemauerte Gewölbekeller erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung, ist 8,18 m lang und 4,14 m breit. Die Gewölbehöhe beträgt 2,80 m an der hinteren Kellerwand.

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Der eigentliche Anlass für den Besuch in diesem Keller, die vermutete Verbindung zum Nachbarkeller, fand sich nicht in dem großen Kellerraum, sondern in dem horizontalen Gang 2,30 m davor. Die Öffnung wurde offensichtlich nachträglich durch die Sandsteinquader gebrochen und im folgenden Teil mit Kalksand-steinen vor nachrutschendem Erdreich geschützt. Sie ist nur 56 cm breit und ebenso hoch, doch 246 cm lang. Das Ende ist zugemauert und, wie der Lageplan zeigt, passt die Vermauerung genau zu der verschlossenen Öffnung des Nachbarhauses.

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Weitere Detailinformationen zu diesen Kellern und noch mehr Bilder gibt es in einer von Monika Pöhlmann und Baldur Strobel zusammen gestellten Broschüre. Diese kann zum Preis von vier Euro (1,50 Euro Versand) über das Kontaktformular bei den Altstadtfreunden bestellt werden.

Vielen Dank den Familien Herrmann und Völkel für ihre Bereitschaft, die Keller für uns zu öffnen und uns zu erlauben, darin zu vermessen, zu fotografieren und die Ergebnisse zu veröffentlichen.

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