Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Unermüdlich für die Altstadt


Unter diesem Titel bringt die Pegnitzzeitung am
30. Mai 2018 eine Kurzfassung der Festrede:

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            Er ist einer der rührigsten Vereine in der Stadt Lauf: Die Altstadtfreunde feiern heuer ihr 40-jähriges Bestehen. Zum Geburtstag veröffentlichen wir den Festvortrag der Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Ina Schönwald, in Auszügen.

            Nie wurde so viel an historischer Bausubstanz, an historischen Möbeln, an Brauchtum und Ausstattung vernichtet wie in den 60er Jahren. Ganze historische Ortskerne wurden ausgelöscht. Annähernd jedes als „landwirtschaftlicher Betrieb“ verzeichnete Anwesen der Kernstadt Lauf erfährt zu dieser Zeit eine Umnutzung, einen Umbau oder einen Abriss zu Gunsten eines Mietwohnhauses.

            Plötzlich - im Angesicht des Schwunds – setzt ein Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung ein. Just in diesen Zeitabschnitt datiert die Gründungsversammlung der „Altstadtfreunde“. Ein neues Bewusstsein brach sich Bahn im Wissen um die Unwiederbringlichkeit alter Strukturen und Zeugnisse der Heimatgeschichte. Der Gründung war am 26. November 1977 eine Vorbesprechung im Wappensaal des Wenzel Schlosses vorangegangen. Am 24. Januar 1978 fällt schließlich in der Gaststätte am Kunigundenberg die Entscheidung. Die Altstadtfreunde bleiben unabhängig und wählen Kurt Windisch zu ihrem 1. Vorsitzenden, Dr. Amalie Stahl wurde zur Schriftführerin ernannt. Als Vereinszweck haben sich die Damen und Herren ein großes und weites Feld vorgenommen:

  1. Die bauliche Erhaltung, Restaurierung, Verschönerung und Gestaltung des geschichtlichen Stadtkerns und sonstiger Baudenkmäler
  2. Erhaltung der kulturellen Werte der Altstadt
  3. Bestrebungen zur kulturellen Belebung und Attraktivitätssteigerung der Altstadtstadt sollen unterstützt werden.

Wunsch nach Museum

            Erste kleine Aktivitäten wie Exkursionen und Besichtigungen der Industrieanlagen in Lauf und der näheren Umgebung münden schon im Gründungsjahr in den Wunsch, ein Gewerbemuseum zu errichten. Neben einem Wettbewerb zum Blumenschmuck in der Altstadt entstehen Pläne zur Sanierung des Wehrgangs am Stadtarchiv. Eine erste große Veranstaltung sind die „Hans-Sachs-Spiele“ in der Aula der Bertleinschule.

            Es waren diese geschichtlich interessierten und engagierten Persönlichkeiten aus den Reihen der Altstadtfreunde, die sich spätestens am Ende der 1970er Jahre für die Erhaltung des wasserradgetriebenen Gewerbetriebs des 1973 stellgelegten Hammerwerks Engelhardt interessieren und weitergehende Überlegungen zum Erhalt des Areals anstellen. In der Folgezeit scheinen die Altstadtfreunde ein erstes großes, vielleicht sogar ihr wichtigstes Projekt in ihrer Geschichte gefunden zu haben. Ein Industriemuseum soll es werden.

            Erstmals im Jahr 1980 findet eine Auseinandersetzung des Vereins mit den Kellern unter dem Marktplatz statt. Ganze 1500 Besucher werden zur Besichtigung eines Teils der Laufer Keller während es Altstadtfestes geführt. Die Keller sind zu diesem Zweck erstmals ausgeleuchtet. Jahr um Jahr wird das Labyrinth der unterirdischen Keller nun ausgedehnt, immer mehr werden von Abraum und Schutt befreit. 1982 kann das unterirdische Kellerlabyrinth zwischen dem Anwesen Marktplatz 7 und Marktplatz 10 komplett begangen werden. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert.

            Im gleichen Jahr kauft die Stadt Lauf das Hammerwerk von Hans Engelhardt und stimmt der Errichtung eines Industriemuseums zu.

            Ein wichtiger Vereinsbeschluss des Jahres ist die Anbringung von Hinweisschildern auf den wichtigsten historischen Gebäuden der Stadt, deren Texte die mittlerweile verstorbene Dr. Amalie Stahl erarbeitete.

            Auch den Salvatorfriedhof hat sich der Verein vorgenommen, er soll auf Wunsch der evangelischen Pfarrgemeinde in einen Park umgewandelt werden. Der Verein möchte sich der verfallenden historischen Gräber annehmen. Diese Vorhaben gipfelt in einer ersten systematischen Fotodokumentation im Jahr 1982, einer wichtigen Arbeit, derer man sich jetzt anlässlich der neuerlichen Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten am Friedhof wieder dankbar bedient.

            Größere Diskussionen werden um die geplante Neuerrichtung eines historisierenden Brunnens am Oberen Marktplatz geführt, den der Verein dort errichten lassen will. Er wird 1982 in der noch heute bekannten Form gebaut.

            In den Jahren 1982 bis 1988 erfolgt die konsequente Umsetzung des Projekts „Industriemuseum“. Die Pegnitzwehre werden saniert. Wiederum sind es die Altstadtfreunde, auf deren Betreiben 1983 die Historikerin Dr. Renate Übelhack (später Kubli) als ABM-Kraft eingestellt wird. Ihre Aufgabe ist es darüber hinaus, die Geschichte der Laufer Mühlen- und Hammerwerke aufzuarbeiten. 1986 fasst sie ihre Forschungsergebnisse in einem Buch aus dem Fahner-Verlag zusammen, das bis heute als Grundlagenwerk zur Laufer Industriegeschichte gilt. Bereits in diesem Jahr finden zum Altstadtfest erstmals feste Führungen in den Laufer Kellern und auf den Turm der Johanniskirche statt.

            Im Juni 1985 wird das Museum als „Gewerbe- und Frühindustriemuseum der Stadt Lauf“ vorab eröffnet. Bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es Überlegungen, die Tandem-Dampfmaschine der Laufer Holzwarenfabrik Döring in den Gebäudekomplex zu überführen. In diesem Jahr setzt Baldur Strobel zum ersten Mal einen Fuß in einen Laufer Keller, 1991 tritt er endgültig dem Verein bei.

            1986 gibt der Verein unter der Leitung Leo Petzenhausers einen „Altstadtführer“ heraus.

            1987 finden das erste Museumsfest und die ersten Hämmernkirchweih statt. Für das von den hauptamtlichen Mitarbeitern des Museums ausgerichtete Fest stellen seit dessen Beginn bis zum Jahr 2000 die Vereinsmitglieder einen Teil der Helfer.

            In diesem Jahr startet der Verein eine große Werbekampagne und gewinnt zwei Neumitglieder, die über viele Jahre Kreativität und großes Engagement in den Verein bringen. Herbert Höfel und seine Frau Rosi. Sein diplomatisches Geschick öffnete dem Verein viele Türen. Die Osteraktion am Marktplatz, die Anregung zu einem Kirchenführer der Johanniskirche und unzählige Arbeitsstunden gehen auf ihn zurück.

Wasserrad instandgesetzt

            1989 erfolgt die Instandsetzung des letzten Wasserrads. Im Anschluss wendet man sich dem Inneren der späteren Museumsgebäude zu. Vertreter der Stadt und der Verein der Altstadtfreunde mit Bürgermeister Pompl an der Spitze wollen eine Stiftung errichten und die Ventilkegelfabrik Dietz & Pfriem in das Industriemuseum überführen. Unterstützt werden sie hierbei von den beiden Ministern Dr. Günther Beckstein und Dr. Klaus Töpfer. Im November kann der Verein mit der Firma Dietz & Pfriem, respektive mit Herrn Dietz, einen Mietvertrag auf zehn Jahre für die Firmengebäude in der Sichartstraße 25 abschließen, die Hugo-Dietz-Stiftung war errichtet. Die Stadt Lauf und die Landesstelle für nichtstaatliche Museen gewähren Zuschüsse, sodass als Großereignis in der Laufer Stadtgeschichte die Dampfmasche der Firma Döring in das Gebäude umgesetzt werden kann. Als Erich Dietz überraschend stirbt, wird die Ventilkegelfabrik stillgelegt und dem Museumsgelände zugeschlagen.

Museumsgründung

            1990 wird ein Schlüsseljahr für den Verein, aber auch für die Stadt Lauf. Unter der Ägide des Vereins wird ein Förderverein für das Industriemuseum gegründet. Am 19. Juli 1992 erfolgt schließlich die Eröffnung des Industriemuseums Lauf in vier Gebäuden: dem Hammerwerk Engelhardt, der Roggenmühle, dem ehemaligen ersten E-Werk der Stadt und dem Körner’schen Haus. Die Dampfmaschine, bis heute ein sensationelles Exponat des Museums, wird der Öffentlichkeit übergeben. Die Altstadtfreunde unterstützen das Museum, wo sie können. Vor allem mit ehrenamtlicher Arbeit. Im Jahr 1990 stößt Betty Riffelmacher zum Verein. Seit 1998 ist sie mittlerweile die Schriftführerin bei den Altstadtfreunden.

            Die Altstadtfreunde hatten sich nun durch ihr großes Engagement in der Stadt etabliert. Am 12. Oktober 2001 formuliert Bürgermeister Rüdiger Pompl im Rahmen einer Feierstunde zur Übernahme der Trägerschaft des Industriemuseums durch die Stadt Lauf: „Der Stadtrat hat gleichzeitig dem Verein Altstadtfreunde seinen herzlichen Dank und seine hohe Anerkennung für die herausragenden Leistungen ausgesprochen.“

            Da wurde schon das nächste Großprojekt in Angriff genommen. Spätestens seit 2001 stand der Verein mit der Besitzerfamilie der seit 1988 stillstehenden Reichel’schen Schleifmühle in Verbindung. Die letzte Besitzerin gab dem Verein die Erlaubnis, das Erdgeschoss auszuräumen, um den ehemaligen Betriebsraum für Besucher zugänglich zu machen. Anstelle einer Miete bot der Verein an, bei der denkmalgerechten Renovierung der Mühle mitzuhelfen. Das Dach musste ebenso wie große Teile des Putzes erneuert werden ebenso wie die Balkenlager der Schleifsteine. Die defekten Zähne des Zahnrads wurden ersetzt, die beiden Schleifsteine ausgetauscht. Auch das Obergeschoss wurde renoviert und die Maschinen dort wieder an die Transmission angeschlossen, die Schleif schließlich elektrifiziert. Noch im selben Jahr öffneten die Altstadtfreunde die Mühle für Besucher. 2006 wurde die ehemalige Mühle als Denkmals wiedereröffnet, bevor sie 2007 endgültig in den Besitz der Stadt Lauf übergeht. Insgesamt waren 70.000 Euro zur Sanierung nötig.

            Von 2009 bis 2015 zeigt sich die dringende Reparaturbedürftigkeit des großen und der kleineren Wasserräder. Auch hier wird der Verein aktiv, generiert Spenden und übernimmt selbst einen Großteil der Kosten. Und wiederum leisten die Mitglieder unzählige Arbeitsstunden.

            Baldur Strobel, damals 2. Vorsitzender des Vereins, hatte sich federführend die Laufer Kellerlandschaft unter dem Marktplatz vorgenommen, beseitigte dort mithilfe von Schülern 395 Tonnen Abraum und machte die Keller den zahllosen Besuchern in Führungen zugänglich. In Gemeinschaft mit den Hausbesitzern und der Stadtverwaltung wurden seit 1980 mehr als sieben zusammenhängende Keller von der Auffüllung mit Schutt befreit. Außerdem wurden sie mit Licht ausgestattet. Bis heute dauert ihre Freilegung und Erkundung durch den Verein an.

Unermüdlicher Verein

            2004 findet der vorläufig letzte Führungswechsel statt. Baldur Strobel löst Horst von Miller an der Vereinsspitze ab. Wo soll man beginnen und enden, die weiteren zahllosen Aktionen des Vereins aufzuzählen? Bei der Beteiligung des Vereins mit dem gesamten Jahreserlös an der Sanierung des Fundaments der Kunigundenkirche im Jahr 2007? Beim großen Engagement anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums 2005 und des Karlsjahr 2016 mit Publikationen, Führungen, einer Münznachprägung und einem historischen Planwagen?

            Und wie in jedem sehr rührigen großen Verein und seiner Geschichte gibt es auch bei den Altstadtfreunden einen Bruch. Diesen markiert das Jahr 2010, indem der Verein mit internen Unstimmigkeiten zu kämpfen hatte. Als der Bürgertreff mit der Bitte an den Verein herantritt, Tourismuspakete mit regelmäßigen Stadtführungen durzuführen, ist man sich uneinig. Aus den Reihen der Altstadtfreunde gründet sich am 16. Dezember 2010 der Verein der Laufer Stadtführer unter der Führung von Herbert Höfel. Doch welche Stadt kann auf zwei solch rührige Vereine schauen, die sich mit Leidenschaft um das kulturelle Erbe der Stadt sorgen?

            Ab 2014 bis jetzt werden an zirka 16 Tagen im Jahr Vorführungen in der Reichel’schen Schleifmühle, Kellerführungen oder Turmbesichtigungen angeboten. Aktuell ist die Betreuung des ehemaligen Förster- oder Einspännerhauses zwischen Spitalstadtmauer und Burg dazugekommen. Die Altstadtfreunde dürfen das Haus von den Besitzern mieten und haben es seither verwandelt. Auf die Frage, was sie zusammenhält, sind sie sich einig: Es ist das Gemeinschaftsgefühl und die Freude, die gleiche Gesinnung mit Freunden teilen zu dürfen. So vielseitig wie die Persönlichkeiten der Mitglieder, so vielfältig sind Vereinsprogramm und Initiativen. Eins steht fest: Die Hände in den Schoß legen wird er niemals.

Druckversion (Pdf) dieser Kurzfassung der Festrede von Dr. Ina Schönwald.

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