Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Interessanter Besuch des Rochusfriedhofs und des Militärfriedhofs in Nürnberg

Wer weiß noch, dass Nürnberg im 19. Jahrhundert Garnisonstadt war und in dieser Zeit neben Kasernen auch ein Militärfriedhof entstand? Wer weiß, wo dieser Friedhof liegt? Die Altstadtfreunde Lauf besuchten unter sachkundiger Führung von Herrn Heidebroeck vom Verein Geschichte für Alle e.V. diesen vergessenen Ort. Etwas besser bekannt als der Militärfriedhof ist der Nachbar Rochusfriedhof. Beide sind Ruhepole inmitten dichter Bebauung und Verkehr, haben aber ganz unterschiedliche Wurzeln. Während der Rochusfriedhof schon im 16. Jahrhundert als Lorenzer Altstadtfriedhof entstand, diente der Militärfriedhof ab dem späten 17. Jahrhundert für die Verstorbenen der Garnison.

FZ190914-Nürnberg42.JPGKapelle auf dem St. Rochus Friedhof

Nicht weit entfernt vom Verkehrsknotenpunkt Plärrer an der Rothenburger Straße stadtauswärts liegt der St. Rochusfriedhof im Stadtteil Gostenhof. Er ist eigentlich eine Oase der Besinnung neben dieser vielbefahrenen Straße und er ist auch wegen des mangelnden Touristenstroms stiller, schwermütiger und deshalb weniger bekannt als sein großer Bruder der St. Johannisfriedhof.

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Unsere Gruppe wurde am Samstag, 14.09.2019 zu diesem Spaziergang von Herrn Heidebroeck am südöstlichen Haupteingang in unmittelbarer Nähe der Friedhofskapelle abgeholt.

Der Friedhof entstand wie auch der St. Johannisfriedhof zu Zeiten der Pestepidemie im Jahre 1518, um die Pesttoten der Lorenzer Seite aus hygienischen Gründen vor den Stadttoren beizusetzen. Zur gleichen Zeit stiftete der Patrizier Konrad Imhoff die St. Rochuskapelle, die jedoch nicht zugänglich ist.

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Herr Heidebroeck führte die Gruppe an verschiedene Gräber. Es handelt sich dabei um sog. Liegegräber mit Epitaphien. Das sind kunstvolle gusseiserne Platten deren Symbole bildhaft Auskunft geben über den Berufsstand von Handwerkern, Metzgern, Kaufleuten, Künstlern, Komponisten, Assessoren, Predigern etc., ja sogar das Grab der Köchin aus dem Lorenzer Pfarrhaus gehört dazu. Die Epitaphien erzählen bei genauer Betrachtung Geschichten über die Menschen, die hier beerdigt sind und über die Geschichte der Zeit in der sie lebten.

st-rochus-Grundriss.pngGrundriss St. Rochus Friedhof

Deshalb war es für die Teilnehmer ein Weg in längst vergangene Zeiten und sie hörten wie sich das Leben in der Stadt Nürnberg im 16. und 17. Jahrhundert abspielte, ständig verbunden mit Sterben und Tod. Natürlich zeigt Heidebroeck auch die Gräber prominenter Nünrberger wie die des bekannten Nürnberger Bildhauers und Erzgießers Peter Vischer oder des Nürnberger Barock-Musikers Johann Pachelbel

 

 

 

 

Weitere Bilder und Epitaphien


FZ190914-Nbg Militärfriedhof1.JPGMilitärfriedhof

Der zweite Teil der Führung ging auf den unmittelbar dem St. Rochusfriedhof angeschlossen alten Militärfriedhof. Ein Relikt aus der Zeit, in der Nürnberg Garnisonsstadt war. Die Anlage geht auf eine Schenkung des Nürnberger Stadtlieutenants und Rotbierbrauers Lorenz Schmiedlein zurück. Im Ersten Weltkrieg reichte der kleine Friedhof für die Vielzahl der Gefallenen nicht mehr aus, weshalb auf dem Südfriedhof ein neues Gräberfeld für Soldaten geschaffen wurde. Im Jahre 1918 fanden die letzten Beisetzungen statt. Nach der Auflösung der Bayerischen Armee im Jahre 1919 wurde der alte Militärfriedhof geschlossen. Die Stadt erwarb am 4. März 1924 das Gelände mit allen Rechten und Pflichten.

Heute ist der Friedhof für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich und kann nur bei Führungen besichtigt werden. Geht man über diesen Friedhof so steht man auf Gräbern, es gibt keine Wege zwischen den Grabsteinen und so kommt ein sonderbares Gefühl an diesem Erinnerungsort auf. Er wirkt verlassen und erzählt trotzdem von aufregenden Zeiten und dem immer mit Krieg verbundenem Leid.

FZ190914-Nbg Militärfriedhof2.JPGGrabmal des Karl Ritter von Theobald (1769-1837)

Der Ausflug war lohnenswert, darüber waren sich die Teilnehmer einig.

 

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