Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Das Projekt „Stiftergrab Glockengießer“ in der Laufer Ruine der Spitalkirche:
Präsentation eines Erinnerungsorts im Zeichen der Hoffnung zu Corona-Zeiten

Anhang zum Rundbrief Nr. 86 der Altstadtfreunde Lauf

Es sollte der 5. Juli 2020 werden, ein sonniger, warmer Sonntag, an dem die Altstadtfreunde das neugestaltete Stiftergrab der Nürnberger Eheleute Hermann und Elsbeth Keßler, genannt Glockengießer, in der Kirchenruine Sankt Leonhard, die zum Glockengießer-Spital gehört, zeigen wollten. In der Gründungsurkunde der Spitalstiftung von 1374 war bestimmt worden, dass das Spital den Stifternamen des Nürnberger Bürgers „Glockengießer“ behalten (….) solle. In der Laufer Spitalkirche, die Pfarrkirche geworden war, sollten liturgische Handlungen und Gebete der Laufer Bürger, auch der Spitalbewohner, für das Seelenheil des kinderlos gebliebenen Stifterehepaares sorgen.

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Dank einer (ungewollten?) Zeitungsente in der PZ vom 4. Juli 2020, wurden wir, die Altstadtfreunde, bereits am Samstag zusammengetrommelt, um den interessierten Besuchern die steinernen Reste dieses Kirchengebäudes mit der neu gestalteten Glockengießer-Grabstätte (Bronze-Platte auf dem Grabstein und erklärenden Bronze-Tafeln vor diesem Grabstein) zu zeigen.

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Das war der zweitägige, erfolgreiche und vorläufige Endpunkt eines lang gehegten Projekts, verbunden mit einer langwierigen Phase der äußerst anstrengenden Gartenarbeiten in diesem brachliegenden Areal unter freiem Himmel, das das Kirchenschiff geworden war (Näheres in der „Fundgrube“ vom Dezember 2019).

Bereits am 8. September 2019 hatten die Altstadtfreunde unter der Ägide des Laufer Stadtarchivs Führungen durch gewählte Räume des ehemaligen Pfründnerhauses - mit seiner Küche und seiner Kapelle - sowie durch das Kirchengemäuer von Sankt Leonhard veranstalten dürfen. Die Verhandlungen mit Stadt, Denkmalamt, die Besuche der Werkstatt, die die Bronze-Tafeln vor und auf dem Grabstein fertigen würde, all diese Tätigkeiten, die dieses Grabmal denkmalgerecht zur Geltung bringen sollten, wurden im Jahr 2020 trotz der Ausgangseinschränkungen in Corona-Zeiten von den Altstadtfreunden weitergeführt.

Also kamen wir bereits am Samstag, dem 4. Juli 2020 zusammen, um die Besucher vorschriftsmäßig in kleinen Gruppen, mit Maske und mit sicherem Abstand, durch die Lateralgänge der Kirchenruine wandeln zu lassen, sie auf die drei, dem Lamm Gottes, der Mutter Gottes und dem Heiligen Petrus geweihten Chorgewölbe, auf das steinerne Überbleibsel liturgischer Handlungen, das Sakramentshäuschen hinweisen, gar die Erinnerung an mittelalterliche Passionsfeiern mit dem eingemeißelten „Schmerzensmann“ und den Feuerzeichen an der äußeren, nicht mehr zugänglichen Südwand der Kirchenruine zu zeigen. Wie manch steinernes Objekt der Vergangenheit ist diese Ruine mit ihrem Stiftergrab Zeugnis nicht nur des mittelalterlichen, von großer Frömmigkeit gekennzeichneten spirituellen Lebens (einschließlich der Liturgie und der karitativen Bemühungen um das eigene Seelenheil), sondern auch des fürchterlichen Traumas, das die Laufer am 2. Juni 1553 bei der Plünderung und am folgenden Tag bei der Brandschatzung ihrer Stadt durch die Truppen vom Markgrafen Alcibiades erleben mussten. Damals wurde das Leben von vielen Menschen und Tieren im „Feuermeer“ grausam gelöscht, alle Häuser und Gebäude, die nicht mit Steinen gebaut waren, wurden mit Ausnahme der Mühlen zerstört (Karl Sauer, Geschichte der Stadt Lauf, Lauf 1898, S. 65 f). Das Spitalgebäude wurde in den Folgejahrzehnten auf seinen Grundmauern wiederaufgebaut, die zerstörte Pfarr- und Spitalkirche nicht.

So wurde die bescheidene Gruft mit steinerner, verwitterter Grabplatte des Stifterehepaars Keßler -im Gegensatz zum imposanten Tischgrab des Nürnberger Spital-Stifters Konrad Groß, das in der Kirche des Heilig-Geist-Spitals bewundert werden kann - allen möglichen Witterungseinflüssen und der wuchernden Natur ausgesetzt… bis sich die Laufer Altstadtfreunde seiner annahmen.

Heute ist diese städtische Oase weiterhin geschlossen. Es bestehen nun die Hoffnung und das Vertrauen, dass die Beratungen über die künftige Gestaltung von Spitalgebäude und Kirchenruine, die in Bürgermeisteramt und Stadtrat geführt werden, sowie deren anschließenden Beschlüsse diesen Erinnerungsort in einen lebendigen Bestandteil des Laufer kulturellen Lebens umwandeln mögen.

Lauf, den 30.09.2020

Christiane Veyssiere

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