Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Lauf, im März 2021

Rundbrief Nr. 87

„Heile Heile Gänsje - s‘ wird scho‘ wieder gut…“


Liebe Vereinsmitglieder,

das Gute zuerst: Genießen auch Sie die warme Märzen-Sonne, die Frühjahrsblüher, besucht von hungrigen Bienen und Schmetterlingen? Die ersten Zugvögel sind schon da und vor allem haben Karl und Johanna, „unsere“ Störche, bereits ihr angestammtes Nest hoch über dem Marktplatz bezogen!

Und das weniger Gute? - zählen wir auf und lassen die lange Liste in der Schublade verschwinden!

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Ja, aus unserem Januar-Rundbrief, mit der Vorstellung unseres Jahresprogramms, ist nun eine März-Ausgabe geworden und zwar ohne Jahresplanung. Diese Vorschau werden wir endgültig dann erstellen, wenn etwas mehr „Land in Sicht“ ist - sprich Museen und Gasthäuser wieder geöffnet haben. Über die Pegnitz-Zeitung, unsere Home Page im Internet und unseren Schaukasten am Marktplatz neben „Schwarzer Bär“ werden wir Sie entsprechend informieren.

Eine Ausnahme riskieren wir allerdings: Sehen Sie im Folgenden die Einladung zu einem Vortrag am 17. April.

Rückschau

Auf Ausflüge und Veranstaltungen kann sicher erst im nächsten Jahr zurückgeschaut werden. Diesmal gilt es, über das Geschaffene unserer Ehrenamtlichen zu berichten:

  • Die größte Herausforderung war das Erneuern des Schütz an der Schleifmühle Reichel. Doch von vorn: Mit dem Schütz wird das Wasserrad, das die Schleifsteine antreibt, ein- und abgestellt und somit die Wasserhöhe entsprechend den erforderlichen Leistungen reguliert. Nun war diese Holz-Konstruktion in die Jahre gekommen und musste erneuert werden. Ein großes „Danke“ an Baldur Strobel, Reinhard Deifel und Wolfgang Pöhlmann für diese Präzisionsarbeit, bei der Kraft und handwerkliches Geschick vonnöten waren!
  • Im Forsthaus sind nun auch im 1. OG die Fensterläden repariert und gestrichen.
  • In den Felsenkellern wurde die Elektro-Installation auf Vordermann gebracht.
  • Nasskalt gings in der Museums-Schleifmühle Reichel beim Warten und zum Teil Reparieren der Maschinen und Gerätschaften zu.
  • Im Bücherschrank an der Wasserbrücke waren zwei defekte Türen zu ersetzen.

Ein Kleinod in der Stadt Lauf!

Die ältesten Arbeiterhäuser Deutschlands

Bitte lesen Sie hierzu die Ausführungen unserer Vorsitzenden Monika Pöhlmann:

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„Die ältesten Arbeiterhäuser Deutschlands stehen in Lauf“

So stand es in der Pegnitz-Zeitung am Samstag, 09. Januar 2021. Natürlich kennen Sie alle die Häuserzeile am Zeltnerplatz! Beim Vorbeigehen denkt man doch immer nach, ob sie abgerissen werden sollten oder ob sich wohl eine Sanierung noch rentieren würde? Seit Jahren ist bekannt, dass der Bauhof, der ja direkt danebenliegt, ein neues Domizil bekommt und das gesamte Areal anderweitig genutzt werden soll.

Nachdem wir Altstadtfreunde von den Forschungen des Denkmalexperten Dr. Thomas Wenderoth erfuhren, dass es sich bei diesen Häusern um die ältesten ihrer Art in Deutschland handelt, sehen wir das Ensemble als kulturhistorisches Denkmal, das erhaltenswert ist. Diese Häuser stellen einen unmittelbaren Zusammenhang mit der frühindustriellen Geschichte der Stadt Lauf dar.

Die Siedlung war einstmals viel größer und erstreckte sich auf einer Länge von 700 m beiderseits der Pegnitz. Sie wurden für die Arbeiter in den Hammerwerken ab dem 15. Jahrhundert errichtet, denn sie konnten sich kein Eigentum leisten. Im Salbuch von 1541 sind mindestens fünfzig Mietwohnungen überliefert. Sie hängen eng mit der Entwicklung von Mühlen und Hammerwerken entlang der Pegnitz zusammen.

Bis heute ist hier eine geschlossene Situation mit Wohngebäuden erhalten, die zum Teil bis ins späte Mittelalter zurückreichen. Diese Gebäude stehen

  • in der Sichartstraße 2, (1553/54)
  • am Zeltnerplatz 4+6, (18. Jahrhundert)
  • im Hammergäßlein 2, (1536)

Ein weiterer Siedlungsschwerpunkt lag am gegenüberliegenden Ufer in dem Bereich der heutigen Anlage der AWO-Senioreneinrichtung.

Mit der Stadt Lauf, der Eigentümerin dieser leerstehenden Gebäude, haben wir bereits Verbindung aufgenommen und angeboten, uns mit „Rat und Tat“ einzubringen, wenn Konkretes festgelegt worden ist.

Zum Kennenlernen dieser historischen Plätze und den Zusammenhängen laden wir Sie am 17.04.2021 zu einem Vortrag mit Dr. Thomas Wenderoth, Historiker und Architekt und Autor des Buches: „Mietshaus und Mietwohnung auf dem Land - Verbreitung, Entwicklung und Typologie am Beispiel des Nürnberger Umlandes 1500 - 1800“ ein.

Hier geht es zur Einladung.

Aufruf

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht:

  • Für den Einsatz als Führer/innen in unserer Museums-Schleifmühle Reichel, den Felsenkellern, Turm St. Johanniskirche und Führungen zum historischen Wehrgang im Forsthaus. Wir bieten bisher, Sonderbuchungen ausgenommen, unseren Museumsbetrieb an Samstagen an, würden das Angebot aber gerne auf Sonntagnachmittag und evtl. an einem Wochentag erweitern. Und dafür brauchen wir mehr Freiwillige, die Lust und Freude haben als Führer/innen mit zu machen.
  • Unsere handwerklichen „Beinahe-alles-Könner“ hätten gerne Unterstützung.
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  • Den großen Garten um unseren Stützpunkt, dem Forsthaus, halten wir so naturbelassen wie nur möglich. Doch muss sowohl der Rasen vor, aber auch hinter dem Haus, regelmäßig gemäht werden. Hierfür suchen wir einen leistungsfähigen Benzin-Rasenmäher. Er darf selbstverständlich gebraucht sein!
  • Forsthaus: Im rückwärtigen Garten würden wir gern Obstbäume pflanzen. Wer würde gerne „Baumpate“ werden und einen Obstbaum seiner Wahl spenden?
  • Wer von Ihnen plant seinen Ruhestand oder kann bereits jetzt über seine Zeit verfügen und hätte Lust, unserem „Kreis der Aktiven“ beizutreten?

Selbstverständlich ist, je nach Bedarf, eine Schulung in die jeweiligen Objekte, und die Kunst, Vorträge zu halten, möglich. Sie finden ein sehr gutes „Betriebsklima“ vor und wir alle geben unser Bestes für unser schönes „Laff“. Das ist doch was?!

Zweckmäßig und schön wäre es, möglichst viele unserer Mitglieder per E-Mail erreichen zu können. Datenschutz garantiert! Dürfen wir um Ihre E-Mail-Adresse bitten? Einfach an info@altstadtfreunde-lauf.de senden oder den Kontakt-Button unten auf dieser Seite nutzen.

So, das war’s dann mal wieder von meiner Seite. Bleiben Sie gesund; gehen wir verantwortungsbewusst miteinander um, so kann jeder für sich seinen Teil dazu beitragen, dass irgendwann „alles wieder gut“ sein wird!!

Ihre

Betty Riffelmacher
Schriftführerin


Auch diesmal „veredelt“ unsere Kollegin Christiane Veyssière unseren Rundbrief mit ihrem sehr fundierten Beitrag über die

Glocken in der Laufer Johanniskirche

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Wussten Sie, wusstet Ihr, dass die größere „Läute- und Stundenschlagglocke“ der Johanniskirche dem „Glockenzugriff“ und der „Metallmobilisierung“ im ersten Weltkrieg wegen ihres hohen Alters (1597), also wegen ihres historischen Wertes entkommen ist? Dass sie im Zweiten Weltkrieg aus dem gleichen Grund verschont geblieben ist? Dass im Nürnberger Land nur die große Glocke aus Altdorf die große Laufer Glocke in Durchmesser (132 cm) und Gewicht (1100 kg) übertrifft? Dass die Rathausglocke von Altdorf, die von der Familie Glockengießer (ja, der Familie von Hermann Kessler, dem Glockengießer vom Laufer Glockengießerspital!) stammt, sich nunmehr auf dem dortigen Evangelischen Friedhof befindet? Dass die Glocke im Laufer Rathaus (1647,75 kg) während des zweiten Glockenzugriffs bereits von ihrem Turm heruntergeholt worden war, aber doch noch durch ein Gutachten im August 1918 als historisch wertvoll eingestuft und gerettet wurde? Rainer Braun erzählt dies und vieles mehr in seiner Geschichte (der) „Glockenenteignungen 1917/18 im Nürnberger Land“ (Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft Bd 39, Nürnberg 1990). Er schreibt vom Glockenraub, Glockenwanderungen, von Entschädigung und Rückgabe, vor allem von der Wertigkeit der Glocken für die Kriegsindustrie: Wegen ihres hohen Anteils an Kupfer (75-80%) und Zinn wurden Glocken bereits im 16. Jahrhundert als „Geschützgut“ verhüttet! R. Braun lädt uns ein, das als selbstverständlich angesehene Glockengeläut aus dem Johannis-Turm, das unseren Alltag und unsere Feiern begleitet, anders als wie bisher, nämlich als Geschenk aus der Vergangenheit und als Brücke zwischen unseren Altvorderen, die dieses Geläut erlebt haben, und uns in unserer Gegenwart zu beachten.

C.V.

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