Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Lauf, im November 2022

Rundbrief Nr. 90

Liebe Altstadtfreundinnen und Altstadtfreunde,
Liebe Leserinnen und Leser;

kaum sind die Sommerferien zu Ende, dann kommt schon Weihnachten oder…..?

Richtig und nicht richtig, warum?

Zuerst kommt noch der Herbst mit seinen wunderschönen Farben, sie waren in diesem Jahr besonders prächtig. Ja, und in dieser Zeit denken wir schon an Planungen für das kommende Jahr. Vor uns liegt ein spannendes Jahr 2023, denn im nächsten Jahr bestehen die Altstadtfreunde Lauf e. V. 45 Jahre – ein Grund zum Feiern.

Wir haben vor, dies etwas auszuweiten und planen ein „Feierjahr“ mit einzelnen Veranstaltungen.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen möglichst den gleichen Raum einnehmen. Die Verbundenheit mit unseren Projekten und besonders mit dem Industriemuseum, das in der Anfangszeit des Vereins ein wichtiges Projekt war, soll inhaltlich dargestellt werden. Dabei ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Denkmalpflege, besonders in unserer schönen Stadt Lauf, Nachdenkens wert. Das Pfründnerhaus im Spital oder die Arbeiterhäuser in der Sichartstraße sind Beispiele, die uns Altstadtfreunde immer wieder beschäftigen und die in diesem Zusammenhang betrachtet werden müssen. Man kann den Erhalt dieser historischen Bauten unter verschiedenen Perspektiven sehen, hierzu ein paar Gedanken: sie gehören zur Geschichte der Stadt Lauf und haben den Charakter der Stadt über Jahrhunderte hinweg geprägt und sie stellen einen Wissensspeicher in der Baugeschichte sowie in der frühindustriellen Entwicklung der Stadt Lauf dar. Ihre Erhaltung, verbunden mit einer Umnutzung, würde zur Nachhaltigkeit und mit Sicherheit zu ihrer Wertsteigerung beitragen.

Trotz warmer Witterung gehen wir in die letzten Wochen des Jahres und die sind nun mal geprägt von verschiedenen traditionellen Festen. „Belzermärtl“ ist schon vorbei, wenn sie den Rundbrief lesen, dann kommt in der Adventszeit der Nikolaus und letztendlich ist das Weihnachtfest da.

Die Stadt Lauf rüstet sich zum Weihnachtsmarkt auf und die Altstadtfreunde veranstalten einen „Weihnachtsflohmarkt“ am Sonntag, 27. November 2022, von 13.00 – 17.00 Uhr im Forsthaus. Dazu gibt es Glühwein sowie Weihnachtsgebäck und wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Was in den vergangenen Wochen los war und was noch alles geplant ist, das können Sie auf den nächsten Seiten lesen.

Kurzberichte aus den vergangenen Wochen

Helferessen 
„Keine Schuld ist dringender, als die, Danke zu sagen.“ (Cicero)

Es sind die „Unverzichtbaren“, die viele Stunden Arbeit leisten und dies nicht nur für den Verein der Altstadtfreunde Lauf, sondern auch für die Stadt Lauf tun. Das ist nicht übertrieben!

Ohne sie wäre vieles nicht realisierbar. Deshalb lud der Vorstand alle Helferinnen und Helfer am 17. September 2022 zu einem gemeinsamen Essen ins Forsthaus ein. Die Stimmung war gut und dass Frau Schwemmer und Frau Dr. Schönwald der Einladung folgten, war eine besondere Ehre für uns.

Dackeldenkmal

Mit großem Einsatz und Engagement von verschiedenen Vereinen, Personen und Sponsoren wurde am 10.10.2022, dem Tag des Hundes, die renovierten Dackel an ihrem angestammten Platz wieder aufgestellt.

Mittlerweile ist in der Presse und bei Veranstaltungen auf deren Bedeutung hingewiesen worden. Es ist eine Erinnerung an den Laufer Unternehmer und lokalen Politiker Hugo Dietz.

Anlässlich eines Spazierganges am alten Laufer Naturpark kann man auf einer Bank daneben ausruhen und sich mit der Geschichte vertraut machen.

Koffer mit Goethebüchern verkauft

Vor ein paar Jahren fanden wir in der zum offenen Bücherschrank umgebauten Telefonzelle bei der Bertleinschule einen Koffer mit einer Gesamtausgabe der literarischen Werke Goethe’s. Nun hat sich tatsächlich eine Goethefreundin gefunden, die uns diesen Koffer samt Inhalt abkaufte.

Sicherheitskonzept

Sicherheitskonzepte sind als eine Art Vergrößerungsglas möglicher Gefahren anzusehen.

Die Besucher unserer Vorzeigeprojekte sind uns sehr wichtig und ob in den Felsenkellern, in der Schleif‘, am Turm oder im Forsthaus, überall gibt es „Stolperstellen“.

Deshalb haben wir alles unter die Lupe genommen und auf Sicherheit hin überprüft. Daraus entstand für alle betreuten Objekte ein verbindliches Sicherheitskonzept, das uns und unseren Besucher hilft, sich wohl und gut aufgehoben zu fühlen.

Besuch der Bayerischen Landesausstellung in Ansbach

„Typisch Franken! „So lautete verheißungsvoll die Ausstellung in der herrschaftlich geprägten Stadt Ansbach, Sitz der heutigen Regierung Mittelfranken.

Aber was ist schon „Typisch Franken“?

Eine oder mehrere Antworten bekamen wir beim Besuch der Landesausstellung in Ansbach und wie lautet die Antwort nun??

Franken ist kein geschlossenes Territorium, es ist auch keine geschlossene Provinz und es gibt auch nicht nur eine „Sprache“ und so ist es schwierig eine einheitliche Geschichte oder historische Entwicklung ausstellungsmäßig zu zeigen.

Die Vielfalt ist die Einmaligkeit der Franken. So sind wir ein bisschen klüger und ein bisschen stolzer von diesem Besuch zurückgekommen.

Büchertisch bei der Hämmern-Kirchweih 2022

„Bücher haben ihre Schicksale“, heißt es.

Immer wieder landen Bücher bei den Altstadtfreunden und was machen wir dann damit? Einen Teil davon stellen wir in die Bücherschränke. Bücher mit geschichtlichen Inhalten behalten wir und legen damit eine eigene Bibliothek an. Mit einem weiteren Teil veranstalten wir immer wieder Mal einen Bücherflohmarkt. So auch bei der diesjährigen Hämmern-Kirchweih am letzten Wochenende im September. Der Erfolg war nur mäßig, da es so stark regnete und so wenig Interessenten für Bücher unterwegs waren.

„Laufer Häuserpersönlichkeiten“
2. Band von Dr. Ina Schönwald, Leiterin des Stadtarchivs

Die Vorstellung des zweiten Bandes „Laufer Häuserpersönlichkeiten“ von Dr. Ina Schönwald, Leiterin des Stadtarchivs, war ein voller Erfolg. Der Titel ist ungewöhnlich, denn Häuser sind ja keine Persönlichkeiten, aber sie erzählen Geschichten von Familien oder Einzelpersonen. Sie erläuterte, dass für sie das lebendig werden lassen von Geschichte in Geschichten wichtig sei, denn das sei ein Weg, Wissen lebendig zu vermitteln.

Also eine „Pflichtlektüre“ für die Altstadtfreunde Lauf, denn bei einem der 15 Häuser handelt es sich um das „Forsthaus“.

Das Buch gibt es im Buchhandel oder beim Fahner-Verlag zu kaufen, es kostet € 19,80.

Die Wenzel(s)burg als deutsch-tschechisches Kulturzentrum

Bericht über den Tag der Begegnung/Setkání am 1. Oktober 2022 - und

Eröffnung der Fotoausstellung „Setkání – Begegnungen“ von Herbert Pöhnl und Edmund Stern in unserer Laufer Burg

Ab dem 1.10.2022 gibt es zumindest offiziell keinen Wirrwarr mehr zur Bezeichnung der Laufer Burg: Ihr offizieller Name lautet nun „Wenzelburg“ und ersetzt die liebgewordenen Bezeichnungen „Laufer Kaiserburg“ oder „Laufer Wenzelsschloss“.  Die Nutzung als Ort für Kultur, Sprache und Austauschen für die Menschen, welche diesseits und jenseits der bayerisch-tschechischen Grenze leben, wünschen sich die Stadt Lauf, der Landkreis, der Bezirk und der Freistaat Bayern. Alle sehen darin eine Aufwertung der Laufer Burg.

Bereits mit den Trauungszeremonien oder den kulturellen Veranstaltungen und den regelmäßigen Führungen war dem historischen Bau Laufer Leben eingeflößt worden. Nun sollen „Begegnungen“ auf transregionaler Ebene stattfinden.

Wenn diese Begegnungen nicht immer im direkten Kontakt zwischen Laufer und Tschechen sein werden, so soll das Bild, das wir von unseren tschechischen Nachbarn haben, durch die ausgestellten Bilder von Fotograf Herbert Pöhnl und Edmund Stern mit dem Titel „Setkáni – Begegnungen“ und künftigen bayerisch-tschechischen Veranstaltungen in Lauf „aktualisiert“ werden.

Bei der Veranstaltung am 1. Oktober war der Appell an die Jugend eindeutig. Nicht nur die musikalischen Einlagen zwischen den Reden der anwesenden Prominenz, sondern die theatralischen Sing- und Tanzeinlagen einer aus Prag angereisten Tanzgruppe Jugendlicher aus dem Projekt „Opera is fun“ mit seiner Aufführung „Wir treffen Karl IV.“ gaben diesem Beginn eines neuen Lebens für die Burg seinen feierlichen Charakter. Es wurden sowohl das Buch von Ina Schönwald „Was machte Karl IV. in Lauf?“, das sie für Kinder und Jugendliche geschrieben hat, als auch ein Lernbuch von Birgit Osten zum Sprachprojekt „Hallo Klexi – wir lernen Deutsch“ für tschechische Grundschüler vorgestellt und zur Lektüre empfohlen.

Was ist in der Tat zum Kennenlernen des Nachbarn besser geeignet als die Überwindung von Sprachbarrieren oder die Kenntnis einer gemeinsamen kulturellen Vergangenheit, selbst wenn die Wunden, welche die „große Geschichte“ allen Menschen in dieser Region zugefügt hat, in dem Familiengedächtnis vieler Deutschen und vieler Tschechen noch vernarben müssen. Besonders in diesen Krisenzeiten von Krieg, Pandemie, sozialer Unsicherheit, welche unsere jeweiligen Regierungen manches Mal dazu zwingen „Grenzen zu ziehen“. So ist dieser 1. Oktober 2022 für Lauf, für die Laufer Bürger und Bürgerinnen ein Tag der Hoffnung in allen Sinnen des Wortes geworden.

Der feierlich begangene Tag der Begegnung in dieser „Europa-Residenz“ (Zitat von Bürgermeister Thomas Lang beim Kommunaltag Bayern-Tschechien in Prag, Mai 2022) als Institution der Begegnung war eine würdige Präsentation der nunmehr freundschaftlichen Beziehungen zwischen Lauf als bayerische Stadt und unseren tschechischen Nachbarn  auf transregionaler Ebene und ein Baustein in den Bemühungen der Stadt Lauf, diese Beziehungen auf lokaler Ebene durch eine künftige Städtepartnerschaft mit der Stadt Loket zu festigen ( Pegnitz-Zeitung vom 7. Mai 2022).

Weitere Berichte über diesen Tag der Begegnung sind in der Pegnitz-Zeitung vom 4. Oktober 2022 mit dem Titel „Plädoyer für ein deutsch-tschechiches Zentrum – Beim „Tag der Begegnung“ geht es um die Zukunft des Laufer Wahrzeichens – es bleibt aber vorerst bei Willensbekundungen“, und in den „MIT“-Ausgaben von Oktober und November 2022 und auf der Website der Stadt Lauf zu lesen.

Christiane Veyssière

In eigener Sache

Ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht

Die Imagebroschüre des Vereins bedarf einer grundlegenden Überarbeitung. Deshalb suchen wir Mitglieder, die Interesse und Kompetenz in der Erstellung von Flyern und ähnllichem Werbematerial haben und an der Entwicklung mitmachen würden.

Bei Interesse stehen der Vorstand sowie die Projektverantwortlichen gerne für ein Gespräch zur Verfügung, Telefonnummer und Emailadresse stehen unten auf dieser Seite.

Aufruf zur Mitteilung von E-Mail-Adressen

In der alltäglichen Kommunikationswelt gelten E-Mails als Standardmedium zum Informationsaustausch, so auch bei den Altstadtfreunden Lauf e. V. Um einen „kurzen Draht“ zu unseren Mitgliedern zu haben, möchten wir Sie bitten, uns Ihre E-Mail-Adresse mitzuteilen, sofern das noch nicht erfolgt ist. Diese kurze Information können Sie ganz formlos per E-Mail an „info@altstadtfreunde-lauf.de senden.

Was gibt’s demnächst?

Stammtische

Dienstag, 06. Dezember 2022, ab 18.00 Uhr
Restaurant Altes Rathaus, Marktplatz

Montag, 09. Januar 2023, ab 18.00 Uhr
Restaurant Zur Linde, Heuchling (Wollner)

Montag, 06. Februar 2023, ab 18. Uhr
Restaurant Dionysos, Vereinsgelände TV1877 Haberloh

Dienstag, 07. März 2023, ab 18. Uhr
Restaurant Atli, Friedensplatz 10

Adventsflohmarkt, mit Glühwein und Weihnachtsgebäck

So 27. November 2022, 13.00 – 17.00 Uhr
im Garten des Forsthauses, Am Schloss 3

Führungen in den Felsenkellern beim Weihnachtsmarkt:

Sonntag, 27. November 2022, 16.00 Uhr Treffpunkt an der Krippe
Sonntag, 11. Dezember 2022, 16.00 Uhr Treffpunkt an der Krippe

Jahreshauptversammlung 2023

Mittwoch 12. April 2023, ab 18.00 Uhr Hotel Gasthof zur Post, Friedensplatz 8

… und zum Schluss die Weihnachtsgeschichte eines Laufers

Zimt, Tannengrün und ein Hauch von Orange und Nelken und schon sind wir in Weihnachtsstimmung. Aber auch ein anderer Duft, der eher negative Stimmungen erzeugt, erinnert Waldemar Birkmann an Weihnachten.

In der romantischen Höllgasse in Lauf gab es jahrelang eine enge „Verbindung“ dazu.
Wo? Höllgasse 16 + 18
Jahr? 1950 – Ich war gerade 8 Jahre! In beiden Häusern gab es noch keinen Anschluss an den Kanal, also Aborte mit Jauchegruben. Diese waren ja immer irgendwann vollgelaufen.

Ob es schicksalhafte Fügung war? Immer um die Weihnachtszeit war Alarm angesagt. Die Gruben drohten überzulaufen. Also Einsatz aller Kräfte zum Entleeren war erforderlich, egal 1 oder 2 Tage vor Weihnachten oder Hl. Abend.

Es war Hl. Abend 1950. Sämtliche Beschäftigte der Flaschnerei Birkmann mussten „zum Dienst“ antreten. Leiterwagen mit Jauchefass war vorhanden, mit Jaucheschöpfern (Odelschöpfer)) wurde dann das „kostbare Gut“ (Düngung für die vielen Obstbäume!) ins Fass abgefüllt und dann per Handkraft im Garten nach genauen Anweisungen herumgefahren und entleert. Diese Entleerung von 2 Gruben dauerte bis zum späten Nachmittag. War der Boden gefroren gab es keine Probleme, bei „weicher Wiese“ eine echte Plackerei!

Ich wollte trotz des Gestanks immer an „vorderster Front“ dabei sein, also Wagen mitschieben. Einmal war ich zu nahe an der mit einem Schieber verschlossenen Fassöffnung. Beim Öffnen ergoss sich die „Brühe“ auf die Hose und in die Gummistiefel.

Mein Einsatz war beendet, ich wurde „weitergereicht“ an die Mutter. Ein paar Watsch’n waren die Folge. Meine Mutter seufzte vor sich hin: „Jedes Jahr dasselbe, bei mir in der Küche riecht es nach Plätzchen und von „unten kommt der Odelgestank“.

In der Höllgasse 16 war die Grube nicht außerhalb des Hauses, sondern Teil des Kellers. War die Aktion beendet wurde alles gereinigt, das Abwasser floss in den offenen Kanal im Garten direkt in die Pegnitz. Wer es nicht weiß, dieser Kanal führte als offener „Bach“ viel Abwasser von Lauf rechts durch’s Grundstück, auch von der Brauerei Dreykorn, oder vom Metzger Helmreich evtl. Fettabfälle. Den Enten in der Pegnitz hat das gefallen. Wir haben den Bach auch aufgestaut und darin gebadet. Bei starken Regen war er ein lebensgefährlicher kleiner Fluss.

Aber zurück zum Weihnachts-Jauchefest: Beide Häuser waren innen etliche Tage „eingehüllt“ von diesem Duft. Die Bewohner der Höllgasse kommentierten: „Wie immer hat der Birkmann an Weihnachten geodelt.“ Der Duft hing zwischen den Häusern.

Für die Gesellen gab es dann mit dem Monatslohn (immer bar ausgezahlt) ein paar Plätzchen und eine Flasche Zwetschgenschnaps aus der hauseigenen Brennerei.

Fazit: Weihnachten war gerettet. Die Frage blieb immer ungelöst: „Wann sind die Gruben im nächsten Jahr voll? – Weihnachten?“

Stollen und Plätzchen haben trotzdem geschmeckt.
Übrigens: Es gab damals noch keine FFP2-Masken.


Wir wünschen allen Mitgliedern für die kommende Zeit alles Gute, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, sowie Gesundheit und Glück für das neue Jahr 2023!

Mit besten Grüßen Ihre

Monika Pöhlmann

Vorsitzende