Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Lauf, im April 2020

Rundbrief
Extraausgabe zur Corona-Ausgangssperre

 

Liebe Altstadtfreunde,

die Coronakrise verändert auch den gewohnten Jahresablauf der Altstadtfreunde.

Wie geht’s, wie steht’s!

Diese Begrüßung ist bestimmt auch heute noch bekannt. Leider konnten wir uns in diesem Jahr nicht allzu oft persönlich begrüßen und uns nach unserem Befinden befragen. Viele Aktivitäten der Altstadtfreunde Lauf, die im Frühjahr beginnen, ruhen auf Grund der Coronakrise bis zum heutigen Tag. Dies bedauern natürlich die Führer der Projekte, die schon in den Startlöchern stehen. Ab wann die Führungen in den Felsenkellern, in der Reichelschen Schleif, auf den Turm der St. Johanniskirche und im Försterhaus beginnen können ist derzeit noch nicht klar, ein Termin steht noch nicht fest.

Zweimal, Januar und Februar, haben wir uns noch zu einem Stammtisch treffen können. 

Die diesjährige Mitgliederversammlung im Hotel Post konnte schon nicht mehr termingerecht durchgeführt werden. Sie hätte in diesem Jahr eine besondere Bedeutung, da die Neuwahl des Vorstandes satzungsgemäß ansteht und hier ein Wechsel vollzogen werden soll. Unser langjähriger Vorstand Baldur Strobel hat bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass er das Amt abgeben will. Sobald die Politik für Versammlungen grünes Licht gibt, wird ein Termin festgelegt werden und die Einladung erfolgt auf den üblichen Wegen (Vereinsnachrichten der Pegnitzzeitung, Homepage).

Unseren Rundgang im Museum Conradtyhaus Röthenbach mussten wir kurzfristig absagen. Das Altstadtfest und die damit verbundenen Kellerführungen fallen in diesem Jahr aus und wie es ab August mit geplanten Themen wie der Spitalkirchweih steht, kann aus heutiger Sicht noch nicht gesagt werden. Aktionstage wie der Deutsche Mühlentag am Pfingstmontag, der Internationale Museumstag am 17. Mai 2020 und der an diesem Tag geplante Flohmarkt im Försterhaus werden nicht stattfinden.

Trotzdem haben einzelne "Heinzelmännchen" die Reichelsche Schleif schon aus dem Winterschlaf geholt und im Garten des Försterhauses sieht man sie werkeln. Vor allem aber freut man sich darüber, dass die im vergangenen Jahr angebrachten Vogel-Nistkästen auch diesmal schon beinah' alle ihre Mieter gefunden haben.

Ja und in der Kirchruine bekommt das Stiftergrab ein neues Epitaph; das beschreibt Baldur Strobel in seinem hier anschließenden Bericht. Und auch einer unserer Bücherschränke meldet sich zu Wort!

Bleibens gsund und passens auf sich gut auf!

Mit den allerherzlichsten Grüßen und bis zu einem Wiedersehen

Ihre Monika Pöhlmann
Stv. Vorsitzende

Das Epitaph am Stiftergrab

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Die bekanntesten Stifter unserer Stadt, Hermann Kessler und sein Frau Elsbeth, ruhen immer noch in ihrer Gruft inmitten der Spitalkirche St. Leonhard. Das Umfeld der Grabstätte könnte viel erzählen, war es doch zuerst der Kirchenraum, in dem sich die Bewohner des Spitals mindestens jede Woche zum Gottesdienst trafen.

Später, beim großen Brand, als Albrecht Alcibiades ganz Lauf in Schutt und Asche legte, blieb auch die Kirche nicht verschont. Nur der Glockenturm und die Außenmauern der Kirche zeugen jetzt noch von der beachtlichen Größe des Gotteshauses, das Dach und die ganze Inneneinrichtung sind verbrannt. Während das Spitalgebäude schnell wiederaufgebaut wurde, um Platz zu haben für die armen Alten und Siechen, später für die begüterten Bürger, die Pfründner, schien kein besonderes Interesse am Wiederaufbau der Kirche erkennbar zu sein. Man hatte ja am Marktplatz die ehemalige Kapelle, die durch entsprechende Beiträge der Laufer Bürger zur großen Johanniskirche aufgewertet wurde.

Der Innenraum der Leonhardskirche wurde als Rosengarten umgestaltet, mal auch als Obstgarten, dann wieder als Freigelände für die Bewohner des Altenheims. Nur das Grab der Stifter zu Füßen des ehemaligen Altars blieb pietätvoll unberührt. Nun ja, nicht ganz, denn irgendwann vor mindestens 200 Jahren entwendeten Schufte die Epitaph-Platten aus Erz, die über die Begrabenen Auskunft gegeben hatten. Als die letzten alten Leute das Glockengießerspital verlassen hatten und zum Galgenbühl bzw. ins Musikerviertel umzogen, verwaiste die Spitalkirche völlig. Mitarbeiter des Bauhofs kümmerten sich um den Rasen und die Wege drum herum, pflanzten Hortensien am Rand und überließen die Grabstätte dem Efeu, der mit der Zeit das ganze Grab überwucherte.

Das war uns Altstadtfreunden ein Dorn im Auge. Wir erbaten von der Stadtverwaltung die Erlaubnis, uns um das Glockengießergrab zu kümmern. Dies wurde uns gerne gewährt, sparte man doch so einige Kosten für Pflegemaßnahmen. Wir entfernten erst den ganzen Wildwuchs des Efeus mit Stumpf und Stiel. Die gerodete Fläche säten wir mit Gras an und zeigten stolz unser Werk dem hiesigen Denkmalschützer. Er lobte uns zwar, doch noch schöner wäre es, wenn die profilierte Auflagefläche des Grabsteins besser zur Geltung käme und nicht bald wieder durch das Gras versteckt werden könnte. Nun, das Grab können wir nicht anheben, doch die Umgebung absenken, das geht! So vertieften wir einen breiten Streifen um das Grab – das Gras war sowieso noch nicht aufgegangen – und transportierten das überschüssige Erdreich weg. Jetzt sieht man besser, welche Mühen sich die Steinmetze damals für die Gestaltung des Grabes machten.

Damit wollten wir uns aber nicht zufriedengeben, denn es fehlte noch die Inschrift. Mit Hilfe unserer Stadtarchivarin, Frau Dr. Schönwald, fanden wir das Wappen des Glockengießers und auch das seiner Frau heraus. Unser schöner Entwurf sollte in Erz gegossen die beiden Wappen und die Namen der „Gruftbewohner“ zeigen sowie den Hinweis, dass dies die Stifter des Spitals waren. Das fand aber keine Gegenliebe beim Landesamt für Denkmalpflege. Entsprechend der Charta von Venedig ist im Umgang mit Denkmälern – und unser Grab gilt als Denkmal – zu beachten, dass „neu ergänzte Bauteile auf das Notwendige beschränkt werden (das heißt: ein neu angefertigtes Bauteil darf nie zuoberst liegen) und als solche erkennbar sein müssen. Rekonstruktionsarbeiten im Sinne einer hypothetischen Ergänzung sind demnach nicht zulässig.“ Vom früheren Epitaph liegen keine Zeichnungen, schon gar keine Fotos vor, historisierende Ergänzungen sind also ausgeschlossen. Ansätze einer Entwicklung, wie zu einem Disneyland, sollen vermieden werden. Das kann man verstehen, doch das Grab anonym bleiben zu lassen kommt doch wohl auch nicht infrage. Bei einer längeren Diskussion kam als Kompromiss heraus, dass auf dem Grabstein nur die Namen und Geburtsdaten der Verstorbenen in moderner Schrift erscheinen und auf einem anderen, abgesetzten Stein weitere Hinweise möglich sind.

Entsprechen diesen Vorgaben beauftragten wir die Erzgießerei Lenz in Nürnberg mit dem Guss der Epitaph-Teile. Diese Gießerei hat schon viele der Grabplatten auf dem Johannis- und Rochus-Friedhof gefertigt. Bei einem Gusstermin konnten wir sogar zuschauen. Es ist schon beeindruckend, wie die Flammen mit voller Kraft das Gemisch aus Kupfer und Zinn schmelzen und wie vorsichtig der Gießer dann die blendend helle „Flüssigkeit“ in die Formen füllt. Wenn alles abgekühlt und patiniert ist, damit man nicht jeden Fingertapser darauf sieht, wird eine Fachfirma die Inschriften auf dem Grabstein und dem Zusatzstein befestigen. Auf eine feierliche Enthüllung müssen wir wegen Corona wohl verzichten, aber wenigstens hat die Gruft zum 700. Geburtstag des Stifters dann wieder einen Namen.


Öffentliche Bücherschränke sind in Coronazeiten beliebte Orte!

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Ich, der Bücherschrank auf dem Mühlenplatz an der Laufer Wasserbrücke ...

… staune über die sogenannte soziale Distanz, die mir, wie auch den Menschen in Lauf, von der Corona-Pandemie seit geraumer Zeit aufgezwungen wird: Ich kann dieses Virus mit meinen Büchern doch nicht übertragen! Mein Alltag war bisher so aufregend. Ich stehe hier, auf einem zentralen Platz zwischen der Laufer Schleifmühle, oberhalb des Biergartens am Mühlenrestaurant und unterhalb der Wasserbrücke neben der alten Trauerweide, mache den Menschen mit meinem Bücherangebot Freude und, vielleicht, bekommen sie doch noch Lust, ihr Tablet zur Seite zu legen und eins meiner Bücher in die Hand zu nehmen, es ohne Screen zu lesen… Da hatten vor 5 Jahren meine Paten und Patinnen, die Laufer Altstadtfreunde, mit freundlicher Unterstützung der Laufer Stadtverwaltung beschlossen, einen Metallschrank mit verschließbaren Untertüren und vielen offenen Regalen an einem viel benutzten Ort. Ja, öffentlich, für alle Leseratten da, ohne Einschränkung. Zwei Türen aus Plexiglas sollten die abgestellten Bücher vor jeder Witterung schützen. Das war für mich der Beginn eines neuen, aufregenden Lebens. Wie? Ja, mich nimmt seitdem jeder, der die Wasserbrücke überquert, Tag und Nacht zu jeder Jahreszeit wahr, gleichgültig aus welcher Richtung, von der Johanniskirche oder der Wasserburg kommend, ob mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß, allein oder in Gruppen. Meine Güte, ich bin so stolz darauf, dass ich jeden Tag neugierige Blicke auf mich ziehe, vertrauten oder misstrauischen Besuch bekomme, je nachdem ob man mich kennt oder nicht. Viele Passanten lassen sich auf eine der beiden Bänke oder auf der kleinen Mauer gegenüber nieder, alleine, in Familie oder in Gruppen, um eine schnelle Mahlzeit einzunehmen oder ein leckeres Eis zu genießen - das hätte ich fast vergessen: ja, ich habe einen direkten Blick auf die Eisdiele gegenüber!  – oder angeregt zu plaudern. Ich freue mich besonders auf die kleinen Kinder, die auf diesem geschützten Platz umherwandeln, rennen, lachen, schreien. Normalerweise sind alle Gespräche und Geräusche auf diesem Platz nicht nur von den vorbeifahrenden Autos, sondern vom Wasserfall der Pegnitz, sowie dem klappernden Mühlenrad gedämpft. Im Sommer ist es so herrlich, so viel Volk um mich zu haben!

Es ist nun so still um mich geworden, wenn ich von den Enten auf dem Pegnitzfluss absehe. Es fahren so wenige Autos über die Wasserbrücke, die gewohnte Geschäftigkeit, gar Hektik hat Platz gelassen für wenige Passanten und Besucher. Nun kommt tatsächlich eine meiner Betreuerinnen mit Maske und Latex-Handschuhen, um Bücher, die Laufer Bürger in mich hineingestellt haben, zu sichten, zu sortieren, umzustellen oder auch auszusondern. Welch merkwürdiger Anblick für mich, der davon lebt, dass er seine Bücher allen Bürgern frei von allem anbieten darf! Diesen Masken- und Händeschutz bin ich gar nicht gewohnt! Ich freue mich doch so sehr auf jeden erstaunten, musternden, neugierigen Blick, auf jeden Besuch von großen und kleinen Menschen, ob sie meine Bücher lesen oder nur ansehen, sogar auf meine Betreuerin, die mich so oft traktiert, damit ich wieder einen ansehnlichen Anblick biete. Sie verweilt auch nicht mehr nachmittags auf einer der beiden Bänke, die jenseits meiner Regale zur Pause einladen. Sie bleibt auch nicht wie früher etwas länger, wenn sie ins Gespräch mit meinen Besuchern kommt, ihnen auf Wunsch erzählt, wie wunderbar es ist, in Büchern zu versinken und Tagträumen nachzugehen, dass für jeden Leser oder jede Leserin irgendwann irgendein Buch dabei ist, das darauf wartet gelesen zu werden. Wann dieses Buch in meinem Bauch sein wird, das kann sie allerdings nicht sagen, die Fluktuation an Büchern ist einfach zu groß.

Ja meine Betreuerin, die ihre Zeitung täglich auf ihrem Handy liest, erzählt, weshalb es für das menschliche Gehirn und für die Haptik so entspannend ist Bücher zu lesen und so der direkten Belastung durch die Emissionen elektronischer Geräte zu entkommen. Sie ist davon überzeugt, dass das Lesen von Büchern ein Genuss und dadurch ein Muss ist, weil Bücher gleichzeitig ablenken, mit anderen Menschen verbinden, die eigene Fantasie anregen, nicht nur durch die Reise in die Vergangenheit. Manches Mal erklärt sie auf Anfrage auch, weshalb Kinderbücher ganz unten auf der Nordseite eingereiht werden, dafür Science-Fiction-Bücher mit spannungsreichen Erlebnissen einer fiktiven Welt - und teilweise egozentrischen Helden - eher auf dem obersten Regal landen, für Heranwachsende oder Erwachsene erreichbar. Selbstverständlich spiele auch eine Rolle, ob die Bücher, die ich bekommen habe, angefasst werden können bzw. sauber sind, wenn sie bei mir bleiben sollen. Manches Mal muss sie auch Laufer Bürger davon überzeugen, wes-halb belletristische Literatur vergangener Jahre bzw. Groschenromane auf meinen Regalen bleiben, weil sie heute noch „lesbar“ sind,  während  andere Bücher entfernt werden:  Zum Beispiel alte, schwere Handbücher zur Betriebswirtschaft, Hard- oder Softwaretechnik, Ratgeber zum Arbeitsrecht, alle aus den achtziger oder neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die wegen ihres überholten Informationswertes und wegen ihres Gewichts entsorgt werden müssen. Zu den Büchern, die entfernt werden, gehören viele Bücher, die längst aus öffentlichen Bibliotheken ausgemustert wurden oder Kinderbücher aus den fünfziger Jahren, die weder für die heutige Jugend lesbar noch für Senioren, für die sie damals geschrieben wurden, interessant sind. Lexika aus den fünfziger Jahren haben auch nur eine kurze Aufenthaltsdauer bei mir, weil sie zu viel Platz einnehmen und ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, nämlich in Papierform kurz und aktuell zu informieren.

Genauso wie mein kleiner, von Laufer Künstlern reizvoll dekorierter Bruder an der Bertlein-Schule, bin ich keine Konkurrenz zur Laufer Öffentlichen Stadtbibliothek, die der Ort ist, wo man sowohl relevante Bücher als auch elektronische Medien zielführend, nach Wunsch mit Beratung, ausleihen kann. Wir beide, mein kleiner Bruder und ich, sind nämlich stumme, offene Bücherschränke, die zum freudigen, anregenden Lesespaß animieren wollen und sehnsüchtig auf sie alle, liebe Laufer Bürger warten, weil sie von ihnen und für sie leben! Wir beide danken für eure Fürsorge sowie eure Achtung! Wir bitten Sie allerdings, uns NICHT zu überfrachten oder als Bücher-Mülldeponie zu betrachten! Wir hoffen, lange für Sie, für euch, auf unseren (Stamm-)plätzen in Lauf stehen zu dürfen. Wir hoffen auch, dass diese schreckliche Zeit der Corona-Pandemie bald endet, damit das anregende Hin und Her, sowie das fröhliche Treiben um uns herum wie früher fortgeführt werden können.

In meinem Auftrag gezeichnet:

Die Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz im April 2020

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