Altstadtfreunde Lauf an der Pegnitz

Das Alte erhalten - das Neue integrieren

Lauf, im Juli 2020

Rundbrief
Extraausgabe Corona Nr. 2

 

Liebe Altstadtfreunde und Freunde der Altstadtfreunde!

Zeiten wie diese stellen uns auf eine harte Probe, je länger die Krise dauert desto mehr schlägt sie uns aufs Gemüt – oder? Da heißt es gut für sich selber zu sorgen und sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wahrzunehmen. Dies versuchen wir seit Beginn der Corona-Krise über Telefon, Mail, Whatsapp und auch mittels Extraausgaben des Rundbriefes.

Auch ohne die regelmäßigen Stammtischtreffen und sonstigen Aktivitäten möchten wir allen das Gefühl geben, dass wir Altstadtfreunde hier in Lauf gut unterwegs sind.

Momentan sehen wir schon einen Lichtstrahl am Ende des Tunnels und wagen uns wieder hinaus. Am Anfang stehen Führungen in der Reichel’schen Schleif und in den Felsenkellern. Am ersten Samstag im Juli geht es weiter mit den Turmführungen auf den Turm der St. Johanniskirche, leider noch ohne vorheriges Trompetenspiel. Intensiv hat der Vorstand an einem Hygienekonzept gearbeitet und für die praktische Umsetzung gesorgt. Die „Aktiven“ im Verein ermöglichen diesen Neustart, sie mussten mehrere Male mit „Abwarten und Verschieben“ fertig werden. Deshalb gilt Ihnen ein besonders herzlicher Dank für Ihr Durchhaltevermögen.

Soweit die gute Nachricht! Mit der berühmten Träne im Knopfloch müssen wir uns von der geplanten Spitalkirchweih am Tag des offenen Denkmals verabschieden. Allerdings haben wir, trotz Corona und weil dabei alle Hygieneregeln eingehalten werden konnten, die Grablege des Stifterpaares Herrmann und Elsbeth Kessler in der Ruine der Spitalkirche mit einem neuen Epitaph versehen. Beachten Sie dazu auch den Hinweis am Ende dieses Rundbriefs.

Damit der Osterhase auch in diesem Jahr am Laufer Marktplatz auftauchen konnte, hatten Marlies Reuter und ich viele Schokoladenostereier eingekauft. Aber der Osterhase blieb im wahrsten Sinne des Wortes darauf sitzen. Wir haben sie alle der Laufer Tafel übergeben und damit bestimmt Freude bereitet. Ja, da fällt mir natürlich unsere Uschi Birkmann ein, die am 12. März dieses Jahres verstorben ist. Sie hat sich für viele Aktivitäten der Altstadtfreunde im Jahresablauf engagiert und wir waren mit ihr wegen ihrer kameradschaftlichen und hilfsbereiten Art sehr verbunden. Sie wird uns sehr fehlen.

Zum Schluss noch eine wichtige Neuigkeit!

Das Epitaph am Stiftergrab in der Ruine der Spitalkirche St. Leonhard ist fertig. Es ist wirklich schön geworden und dem Stifterehepaar angemessen.

Wir möchten deshalb alle Mitglieder und Gäste am

Sonntag, 05. Juli 2020, in der Zeit von 14.00 – 16.00 Uhr

zu einem Besuch einladen.

Im Garten des Försterhauses wartet nach dem Besuch in der Kirchenruine ein Kirchweih-kaffee auf Sie.

So im Rückblick wird klar, dass die Altstadtfreunde Lauf in ihrer Stadt eine hohe Präsenz zeigen und durch die Corona-Krise stark eingeschränkt sind. Abschließend möchte ich Mitglieder ermuntern uns treu zu bleiben, bzw. könnten aus Freunden Mitglieder werden.

Bleibens weiterhin gsund und bis zu einem Wiedersehen, spätestens bei der Mitgliederversammlung, grüße ich alle im Namen des Vorstandes.

Ihre

Monika Pöhlmann

Stv. Vorsitzende

 

Anlagen:

   Interview mit Bürgermeister Lang von Monika Pöhlmann, Stv. Vorsitzende

   Gedanken zur Corona-Pandemie von Christiane Veyssiere, Aktive der
   Altstadtfreunde

   Auflösung des Bilderrätsels von Baldur Strobel, 1. Vorsitzender


Interview mit 1. Bürgermeister Thomas Lang

Am 29.März 2020 wurde in einer Stichwahl Thomas Lang zum 1. Bürgermeister der Stadt Lauf gewählt. Dazu gratulieren wir und wünschen ihm für die Aufgabe viel Erfolg. Für uns Altstadtfreunde ist ein gutes Einvernehmen mit dem Bürgermeister für die Erfüllung unserer Ziele von besonderer Bedeutung. Wir freuen uns deshalb sehr, dass er sofort für ein Interview bereit war.

Herr Bürgermeister Lang als Laufer Bürger und Kommunalpolitiker kennen Sie den Verein der Altstadtfreunde Lauf und seine Zielsetzungen. Wie haben Sie den Verein bisher wahrgenommen und welche Erwartungen haben Sie, als neuer Bürgermeister, an den Verein?

Ich kenne die Keller am Marktplatz seit Jahren. Die Altstadtfreunde haben einen erheblichen Anteil daran, dass hier ein Stück spektakuläre Geschichte unserer Stadt erlebbar und begehbar wurde. Weitere Arbeiten - von der Reichel´schen Schleif bis zu den offenen Bücherschränken sind bemerkenswert und gewinnbringend für unser Lauf.

Haben Sie schon Vorstellungen, was die Altstadtfreunde Lauf gezielt für die kulturhistorische Entwicklung der Stadt Lauf tun können?

Der Verein hat sich durch die Pflege und – ganz neu – Gestaltung des Stiftergrabs in der St. Leonhardts-Ruine hervorragend eingebracht. Ein gemeinsames Gespräch über Kultursicherung am Kunigundenberg hat stattgefunden. Ich wünsche mir, dass wir weiter gemeinsame Gestaltungen, Planungen und Überlegungen anstellen werden.

Welche Unterstützung können Sie dem Verein geben?

Die Altstadtfreunde haben so viele positive Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lauf gebracht. Ich bitte Freunde und Mitglieder des Vereins, sich bei Anliegen an die Stadt zu wenden. Es ist selbstverständlich, dass ich dem Anliegen mit einem offenen Ohr begegne.

Herr Bürgermeister vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte die Stv. Vorsitzende Monika Pöhlmann.


Gedanken zur Pandemie

Christiane Veyssiere, pflegt den Bücherschrank an der Wasserbrücke mit viel Engagement, ist Burgführerin, steht für Führungen im Försterhaus zur Verfügung und ganz besonders auch für Führungen mit französisch sprechenden Besuchern. Sie machte sich Gedanken was die Corona-Krise für uns Altstadtfreunde bedeuten könnte.

Was macht die Corona-Krise aus uns

Zunächst kam Ende Februar die Nachricht, ein neues Virus sei in Deutschland über die Rückkehr der Urlauber ins Land eingebrochen. Eine richtige, tödlich verlaufende Seuche, die sich exponentiell verbreitete, eine Pandemie, die ganz Europa bzw. die Welt erfasste. Nicht sichtbar aber mit fürchterlichen Symptomen, die unsere medizinischen Notdienste schnell an ihre Grenzen brachten. Und wir, die Altstadtfreunde? Was tun, war die große Frage. Außer sich den Verordnungen anzupassen und Termine der regelmäßigen Führungen für die nächsten Wochen abzusagen sah man zunächst wenig Möglichkeiten.

Wer wusste, dass aus Wochen Monate werden sollten? Was tun, mit der Schleif, dem Försterhaus, den Felsenkellern, den sonntäglichen Burgführungen, gar der neuen Ausstellung im Stadtarchiv zu beiden Weltkriegen in Form von Zeitzeugnissen, wie Briefen oder Gegenständen? Und unser Stammtisch? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Als Echo auf das "lockdown" (ist "Ausgangssperre" zu altmodisch?), auf die Vermeidung von "Hotspots" (ist "Infektionsherd" im Nürnberger Land nicht passend?) kam es vom bayerischen Ministerpräsidenten oder Virologen: Zu Hause, daheim, in den vier Wänden bleiben, alle öffentlichen Stellen schließen und alle öffentlichen Aktivitäten herunterfahren. Öffentliche Aktivitäten? Auch unsere Aktivitäten, auch die von den Laufer Altstadtfreunden, na... des isch net wohr! Doch, das ist es! Burg, Försterhaus, Keller geschlossen. Gaststätten geschlossen. Unser Stammtisch? Gecancelt,'tschuldigung, abgesagt. Bis auf weiteres. Keinen direkten Kontakt mehr erleben, fühlen. Wie geht es den anderen? Schnell telefonieren, mailen, Witze, Videos mit lustigen Corona-Inhalten, Gedichte, Lieder, Quizfragen verschicken und erhalten. Am Anfang.

Und heute, im Monat Juni, wo alles gelockert wird? Es ist eher still geworden. Sind wir müde? Dürfen wir unsere Pläne und Projekte durchführen, zumindest vorstellen, auf die wir stolz sein dürfen, weil es Teamworking,.'tschuldigung, gemeinsame Arbeit mit Kopf, Umsicht, Schweiß und Energieeinsatz bedeutet. Ja, gemeinsam. Zusammenarbeiten und feiern, ohne Abstand, ohne Filter. Sehen, riechen, fühlen, die Hand reichen, sich umarmen, lachen, reden, ohne Tracking (ist "digitale Verfolgung" als Bezeichnung nicht zeitgemäß?). Auch was sagen dürfen, ohne dass man irgendwann festgenagelt wird, weil man unbrauchbare, d.h. politisch nicht korrekte Sätze von sich gegeben hat. Wenn ich spontan rede, dann ist es schnell vergessen, auch der Ort, der Tag, die Uhrzeit. Nicht bei der Telekommunikation.

"Soziale Distanzierung" hat man die sanitären Sperren genannt, die vor einer Quarantäne bewahren sollen. Schlimmer noch war und ist festzustellen, dass man auf der Straße die meiste Zeit Menschen mit musterndem Blick begegnet, misstrauisch, gar feindselig, vielleicht, weil die Haarfarbe und das Gehverhalten einen Alten aus der Kategorie der besonders Gefährdeten verraten, die im öffentlichen Raum nichts zu suchen haben und sich gefälligst von ihren Nachbarn helfen lassen sollten, das sagen doch die da oben immer noch?  Aus Angst? Ja die Angst begleitet die soziale Distanzierung, Angst für sich, seine Lieben und Freunde. Wann kommt das Ende des Tunnels, in welcher neue Welt landen wir am Ende, wie werden Sommer und Herbst, wenn wir mehr wollen als viel schreiben und lesen, Radio hören, Fernsehen gucken? Einfach wieder mit unseren Mitmenschen mit gleichen Interessen zusammen sein und arbeiten?

Die Devise lautet: Haltet durch und bleibt gesund bis wir uns wiedersehen können!

 

Christiane Veyssiere im Juni 2020 für die Altstadtfreunde Lauf


Auflösung des Bilderrätsels

Mitten in der Corona-Krise meldete sich unser Vorsitzender Baldur Strobel mit einem Rätsel per Mail an den Vorstand und einige Mitglieder. Es war nicht leicht und wir baten ihn um Auflösung. Da es sich um eine historische Besonderheit handelt, möchten wir sie hier allen unseren Mitgliedern und Lesern zur Verfügung stellen.

Sterne über Lauf
von Baldur Strobel

„Schau auf deinen Weg!“ mahnen oft Eltern ihre Kinder, die gerne irgendwo hinschauen, nur nicht auf das, was gerade vor ihnen liegt. Anderseits wird schon im Struwwelpeter unserer Kindheit der Hans-guck-in-die-Luft gewarnt, nur in den Himmel zu schauen und Gefahren vor den eigenen Füßen zu übersehen. Doch anscheinend schauen wir heutzutage zu selten auch mal nach oben und bemerken dadurch Besonderheiten kaum mehr, mit denen unsere Vorfahren stolz ihre Häuser geschmückt haben.

Ein solcher Schmuck ist mir neulich am Dach des Hauses in der Höllgasse aufgefallen: ein metallener Stern, dessen Spitzen in alle möglichen Richtungen abstehen. Ihre Anzahl konnte ich nicht genau zählen, es dürften um die 12 sein.

Ist es Zufall, dass der Stern gerade über einer Flaschnerei angebracht wurde? Sicherlich nicht, denn in diesem Haus wurde (und wird heute noch) Blech verarbeitet. Die ursprüngliche Berufsbezeichnung Spengler oder Klempner hört man heute selten für den Berufsstand, der früher jegliche Blecharbeiten herstellte. Zu den Erzeugnissen gehörten auch Wärmflaschen und Pulverflaschen, woraus sich die Berufsbezeichnung Flaschner herleitet. Dachrinnen, Fallrohre und Dach- bzw. Fassadeneinblechungen gehörten zum täglichen Brot der „Blechpatscher“, die heute vermehrt mit Hausinstallationen ihr Geld verdienen.

Stolz zeigte der Besitzer dieses Hauses seine typischen Werkzeuge in einem „Wappen“, das neben der Eingangstüre in Stein gemeißelt ist.

BS-Kombi Birkmannhaus.jpg

Im Vordergrund ist ein Stechzirkel zu sehen als Zeichen dafür, dass Genauigkeit eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit mit Blech ist. Darunter sind eine Blechschere und ein Hammer deutlich zu erkennen. Weniger bekannt dürfte das Gerät sein, das unter dem Hammer quer liegt: ein Lötkolben. Um kleine Kupferteile miteinander zu verbinden oder Löcher in Kupfergefäßen zu schließen, verwendete man Lötzinn. Die Spitze des Kolbens wurde über einer Flamme erhitzt und damit das Zinn an der entsprechenden Stelle verflüssigt, denn Zinn hat einen relativ niedrigen Schmelzpunkt.

Noch schwieriger ist der Stab mit Löchern vor dem Gockel auf der Helmzier zu erklären. Ist es ein Bördeleisen, um Blechränder passend umzubiegen, oder ein verstellbares Maß oder ein Gesenk, um Nieten zu fertigen? Ich weiß es nicht und lasse mich gerne belehren. Nägel herzustellen oder Bleikugeln zu gießen waren jedenfalls keine typischen Aufgaben eines Klempners.

Genauigkeit und präzises Arbeiten verlangte der Meister in der auftragsarmen Zeit im Winter von seinen Lehrlingen, wenn sie einen Stern basteln sollten, wie er auf dem Dach zu sehen ist. Wer schlampig arbeitete, erzielte keinen Stern, sondern höchstens eine „moderne Plastik“. Der Stern auf diesem Haus ist sogar zusammen mit den beiden flankierenden Kugeln mit Blattgold vergoldet. Der Vorgängerstern kann im Industriemuseum Lauf in der aufgestellten Flaschner-Werkstatt bewundert werden.

Anscheinend waren die vielspitzigen Sterne ein Markenzeichen der blechverarbeitenden Berufe, denn es gibt weitere Beispiele. Am unteren Ende der Johannisstraße sind sogar zwei Sterne auf dem Dach der früheren Flaschnerei Kelsch. Man muss schon den Blick von der Straße oder dem Smartphone heben, um sie zu erkennen.

BS-Haus Kelsch.JPG

Und noch ein weiterer Stern findet sich auf dem Dach in der Siebenkeesstraße 2 und 4. In dem Haus wohnte und arbeitete der Rotgießermeister Günther Leonhard, wie uns das Straßenverzeichnis von 1912 verrät. Es sieht so aus, als hätte der Stern einen Partner auf dem zweiten Erker gehabt, denn der Stab darauf hört ohne jeden Schmuck auf, das Manko wird auf dem Foto gnädig durch die Blätter verdeckt.

BS-Kombi Leonhardhaus.jpg

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