Laufer Stadtgeschichte an der Pegnitz
Mühlen, Hämmer und Wehre
Ein Historischer Rundgang mit QR-Code

Herzlich willkommen zum Rundgang entlang des Pegnitzufers in Lauf.
Wir stehen hier an der Pegnitz, sehen sie im Moment noch nicht – aber wir können sie schon hören.
Der Fluss, der heute scheinbar ruhig an uns vorbeifließt, hat die Geschichte dieser Stadt über Jahrhunderte hinweg geprägt, er war Lebensader, Arbeitsgrundlage und Treffpunkt zugleich.
Der Schriftsteller Reinhard Knoth beschreibt in einem Gedicht die Pegnitz folgendermaßen:
„Er heißt Pegnitz, und dies ist ein stiller Name.
Er sieht lehmig aus und gibt Anlass
zu mancher schöner Brück.“
Doch so still ist die Pegnitz nicht!
Auf 500 Meter hat die Pegnitz ein Gefälle von 6 Metern, den „Lauffen“.
Althochdeutsch werden diese Flussschnellen als „loufe“ bezeichnet und weisen auf den schnellen Lauf des Wassers hin. Später wurde daraus Lauf, der Name unserer Stadt.
Seit dem 13. Jhdt. entstanden an den Ufern der Pegnitz Mühlen und Handwerksbetriebe, die sich mit ihren Rädern die Wasserkraft zu Nutze machten.
In Lauf entstand die stärkste Ansiedlung von wasserbetriebenen Werken am Pegnitzfluss östlich von Nürnberg.
Wir befinden uns hier in der Sichartstraße vor dem Laufer Industriemuseums bzw. vor dem Eingang des ehemaligen Engelhardt’schen Hammerwerkes. Hinter uns am Zeltnerplatz befindet sich das ehemalige Wohnhaus der Familie Engelhardt und eine Häuserzeile genannt Arbeiter- oder Mietshäuser.
Die Gegend hier wird auch als Teil der „Hämmern“ bezeichnet. Es handelt sich nicht um einen Ortsteil, sondern es ist eine historisch gewachsene Bezeichnung für das Hammerwerkviertel zu beiden Seiten der Pegnitz.
Bevor wir uns dem Engelhardt’schen Hammerwerk zuwenden soll erklärt werden, warum es im Abschnitt zwischen der Burg und dem heutigen Elektrizitätswerk 4 Wehranlagen gab. Erhalten sind heute noch zwei, der ehemals angelegten Wehre. 1938 wurde das dritte und vierte Wehr ausgebaut, um den Einbau einer Turbine zu ermöglichen. Der Einbau des neuen Wehres und der Turbine sowie des Turbinenhauses erfolgte 1943.
Was ist eine flussabhängige Wehranlage?
-Wasser ist bekanntlich der älteste wirtschaftlich genutzte Energieträger.
-Ein Wasserwehr (auch einfach Wehr genannt) ist ein Bauwerk in einem Fluss oder Bach, welches das Wasser anstaut und den Abfluss steuert.
Wir haben schon gehört, dass die Pegnitz bereits im frühen Mittelalter als Energielieferant für Getreidemühlen, beim Betrieb von Hammerwerken für Metallverarbeitung und von Sägemühlen genützt wurde. Das Flussgefälle ermöglichte in Lauf den Bau von 4 Wehren, die das Wasser auf die einzelnen Räder, die unterschlächtig betrieben wurden, verteilten.
-1596 zählte man 50 Wasserräder in ca. 18 Betrieben und die standen rechts und links der Pegnitz also auf einer Länge von einem halben Kilometer. Da kann man sich schon vorstellen, dass bei dieser gedrängten Ansammlung die Triebwerkbesitzer möglichst viel Wasserzufluss hin zum eigenen Wasserrad sichern wollten. Die Lösung lag darin, dass man die Kreuzwehrform entwickelte. Die Kreuzwehrspitze teilt die Wassermenge in zwei Hälften. Aus alten Akten kann man herauslesen, dass bezüglich der Festlegung der Wehrspitze oftmals hart um Zentimeter gerungen wurde.
-Jedem Wehrbenutzer stand eine bestimmte Wassermenge zu. Wehrein- und Wehrausläufe durften nicht eigenmächtig verändert werden. Die Regulierung der Wasserhöhe wurde über einen Eichmesspfahl überwacht. Dieser stand vor dem Wassereinlauf zum Wasserrad.
-Für die Einhaltung und Überwachung der Wasserrechte hatten die sog. Wasserschauer Sorge zu tragen. Es gab eine Wasserschauordnung, urkundlich belegbar von 1540.
-Ein ständiges Problem war das Wetter und die Werkbesitzer beobachteten es oft mit großer Sorge. Schnee, Regen, Frost, Gewitter brachten große Mengen Wasser und Treibgut und die Wasserräder waren dieser reißenden Wucht nicht immer gewachsen. Wehre und Werke wurden öfters zerstört und damit die Lebensgrundlage der Besitzer. Hochwasser war existenzbedrohend.
⚙️ 1. Station am 2. Wehr
Engelhardt’sches Hammerwerk und Körner’sches Haus, Roggenmühle und Daumer’sches Haus
Engelhardt’sches Hammerwerk und Körner’sches Haus oder „Neue Werkstatt“
Was bedeutet „Hammer“ historisch?
Ein Hammer war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit kein Handwerkszeug, sondern eine Eisenverarbeitungsanlage. Dabei wurde ein großer, wassergetriebener Schmiedehammer genutzt, um Eisen zu bearbeiten. Die Energie dafür lieferte die Pegnitz, der Fluss, der durch Lauf fließt. Das Eisenerz kam aus der Oberpfalz, also nicht weit weg von hier. Daran erinnert die heute noch bekannte „Eisenstraße“ von Pegnitz nach Regensburg.
Eine erste urkundliche Erwähnung eines Eisenhammers am 2. Wehr liegt aus dem Jahr 1504 vor. Unter den Besitzern finden sich die Namen Nürnberger Patrizierfamilien (z. B. Tetzel, Volkammer u. a.), was die Vermutung nahelegt, dass der Eisenhammer auch für den überregionalen Bedarf produzierte.
-Nach mehreren Eigentümern kommt das Hammerwerk 1895 in den Besitz der Familie Engelhardt. Man fertigte Rohteile für Maschinen- und Werkzeugfabriken (Kurbelwellen, Ringe, Grundplatten, Platten, Zapfenteile, Scheiben u. ä.). Trotz der Möglichkeit, auf elektrischen Strom auszuweichen, wurde bis zur Schließung 1973 mit Wasserkraft gearbeitet.
Zur Gesamtanlage gehörten 4 Wasserräder, es handelte sich dabei um unterschlächtige Räder (Wasser kommt von unten her an die Radschaufeln). Die Schaufeln bestanden aus Lärchenholz. Sie hatten zwischen 18 und 28 PS Leistung bei einem Durchmesser von etwa 6,50 Metern. Zwei Wasserräder waren mit Generatoren verbunden, die beiden anderen trieben die Mahlmühle und den Eisenhammer an.
Das stillgelegte Engelhardt’sche Werk wurde 1983 von der Stadt Lauf gekauft und die gesamte Betriebsstätte wurde samt Maschinen und Werkzeug zum heutigen Industriemuseum als Industriedenkmal umgewandelt. Heute gehört das Hammerwerk im Industriemuseum Lauf zu den letzten in Bayern original erhaltenen Anlagen
Das Körner’sche Haus oder „Neue Werkstatt“ (so genannt im Unterschied zum oben an der Straße stehenden Gebäude, das als „Alte Werkstatt bezeichnet wird) wird 1505 erstmals erwähnt. 1541 beschrieben als Messinghammer mit drei Rädern, dazu Hütte, Haus mit drei Wohnungen und Kohlstadel. Das Dachgerüst der „Neuen Werkstatt“ datiert auf das Jahr 1708 (Jahresringuntersuchung Dentrochronologie). Es war 1899 ein Teil des Laufer Elektrizitätswerkes.
Daumer‘sches Haus oder „Alte Werkstatt“
-Das Gebäude in der Sichartstraße mit der Hausnummer 9, das sich neben dem ehemaligen Engelhardt’schen Hammerwerk befindet, ist das Daumer‘sche Haus.
Es wird 1541 als Messinghammer erstmals erwähnt. Ein späterer Besitzer „Daumer“ betrieb hier eine Drahtmühl. Das Gebäude wurde 1899 von der Stadt Lauf gekauft und zum ersten Laufer Elektrizitätswerk umgebaut.
-Im Erdgeschoß des Daumer’schen Hauses wurde mit einem Generator Strom erzeugt. Im Batterieraum konnte man Gleichstrom für einen kurzzeitigen Notfallbetrieb speichern.
-Im Obergeschoß befand sich eine Wohnung für den Betriebsleiter. Sie war bis 1983 von einem Angestellten der Städtischen Werke bewohnt und beherbergt heute das Kulturamt der Stadt Lauf.
Roggenmühle
sie steht hinter dem Daumer‘schen Haus
-Der Name zeugt davon, dass hier überwiegend Roggen gemahlen wurde.
Im 14. Jhdt. wurde erstmals eine Mahl- und Sägemühle am zweiten Wehr erwähnt. Es folgten verschiedene Besitzer bis 1894 die Mühle von der Familie Barth übernommen wird, die bereits einen Betrieb am anderen Ufer der Pegnitz am gleichen Wehr hatte.
Das Material wurde mit einem Kahn über die Pegnitz zur eigentlichen Barth’schen Hauptmühle transportiert. Bis 1912 blieb die Mühle in ihrer ursprünglichen Funktion als Getreidemühle in Betrieb. Danach wurde nur noch Strom für die gegenüberliegende Barth’schen Hauptmühle erzeugt.
Heute ist das Gebäude Teil des Laufer Industriemuseums, Sichartsstrasse 5/7/9/11
Anmerkung:
Neben den Gewerbebetrieben wurden Wohnungen für die Arbeiter gebaut, die in den Mühl- und Hammerwerken beschäftigt waren. Bekannt ist die Siedlung „Unter den Hämmern“, wo die Arbeiter, die besitzlos waren, einen Mietzins zu zahlen hatten. Dies galt auch für die Wohnhäuser, vor denen Sie hier, am Zeltnerplatz, jetzt stehen, die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden sind. In der Liste des Bayerischen Denkmalamtes ist zu lesen: „Die Hammer- und Mühlensiedlung soll um 1600 fast größer als die Stadt Lauf gewesen sein. Diese Mietshäuser haben sich bis heute erhalten.
In diesen Häusern, hier am Zeltnerplatz, aber auch anderen Stellen, wohnten Arbeiter mit eigenem Hausstand und zahlten dafür einen „Mietszins“. Man wohnte und lebte direkt neben dem Arbeitsplatz. Die Arbeitszeit betrug i. d. R. 12-14 Stunden und ein Teil des Lohnes wurde in Naturalien ausbezahlt, z.B. Holz zum Heizen etc.
⚙️ 2. Station am ehemaligen 3. Wehr
Fabrikanlage Dietz&Pfriem
Sichartstrasse 15/17/19/21/23/25, gehört heute zum Gelände des Laufer Industriemuseums
(Sie stehen am ehemaligen 3. Wehr, dieses wurde 1938 ausgebaut)
-Auch an dieser Stelle standen am Anfang Mühlen. So wird 1374 erstmalig eine Mühle mit 3 Rädern an der Mühle erwähnt.
-In den Gebäuden der ehemaligen Mühle wird 1784 eine Nadelfabrik genannt, die Besitzer waren die Gebrüder Fleischauer aus Nürnberg.
-Heinrich Riedner hat 1867 die Mühle erworben (heute Teil des Industriemuseums) und sie zu einer Kunstmühle (= Der Begriff entstand im 19. Jahrhundert, als neue Mahltechniken eingeführt wurden. „Kunst“ bedeutet hier nicht „Kunst“ im kreativen Sinn, sondern „technisch hergestellt“ oder „künstlich erzeugt“.) ausgebaut. Nach seinem Tod verpachtet die Witwe die Mühle zunächst an die gegenüberliegende, am südlichen Pegnitzufer gelegene, Ortegelmühle und 1917 erwarb Hugo Dietz zusammen mit Otto Pfriem (1881 – 1957) das gesamte Anwesen. Sie bauten auf dem Gelände eine Fabrikanlage und produzierten bis zur Schließung 1990 Ventile für den Motorenbau (Auto und Schiffe).
-Am 1. Januar 1940 übernahm sein Sohn Erich Dietz die Firma von seinem Vater, nachdem diesem von der NSDAP die Erlaubnis zum Führen seines Betriebes entzogen worden war. Ab den 1970er Jahren investierte Erich Dietz kaum mehr in die Fabrik.
-Bereits 1989 führten Erich Dietz und Vertreter der Stadt Lauf Gespräche über eine mögliche museale Nutzung der Fabrik. 1991 starb Erich Dietz im Alter von 89 Jahren.
-1996 nach dem Tod der Witwe Angela Dietz bereitete der Nachlassverwalter aufgrund einer testamentarischen Verfügung die Überführung der Fabrik in eine Stiftung vor.
-Zwei Jahre später beschloss der Laufer Stadtrat die „Stiftung Erich-Dietz-Industriemuseum“ anzunehmen und das Areal künftig als Industriemuseum zu betreiben.
Das Industriemuseum, ein lebendiges Denkmal der nordostbayerischen Industriekultur
Die Keimzelle des Museums liegt im 1973 stillgelegten Engelhardtschen Hammerwerk.
Die Altstadtfreunde Lauf setzten sich für den Erhalt des Gebäudes samt Inventar ein. Die Stadt Lauf kaufte das Hammerwerk. Gemeinsam mit der benachbarten leerstehenden Mühle und den beiden Gebäuden des ehemaligen E-Werks wurde hier das Gewerbe- und Frühindustriemuseum begründet. Träger waren bis zur Erweiterung des Museumsgeländes um die Betriebsanlage von Dietz&Pfriem die Altstadtfreunde Lauf.
Eine umsichtige Planung und Durchführung erforderten nicht nur Kompetenz, sondern viel ehrenamtliches Engagement im Auftrag und mit der Hilfe der Stadt Lauf. Erst 1992 konnte das Industrie-Museum seine Pforten als Erinnerungsstätte vergangener Gewerbekultur der Öffentlichkeit öffnen.
Nach dem Tod von Erich Dietz 1991 und seiner Witwe Angela Dietz 1996 erlaubte die „Stiftung Erich-Dietz-Industriemuseum“ die Erweiterung des Museumsareals um das Gelände der ehemaligen Firma Dietz&Pfriem. Die Trägerschaft für das gesamte Museumsareal übernahm die Stadt Lauf.
Der Rundgang führt uns nun weiter zum Wundersteg und über die Pegnitz zur gegenüberliegenden Uferseite.
⚙️ 3. Station Justin Wundersteg
Der Zeltnerplatz in Nürnberg erinnert an Johannes Zeltner, der mit seinem Schwager, dem Chemiker Wilhelm Heyne, um 1840 die ehem. Nürnberger Ultramarinfabriken gründete. In Lauf befand sich die Fabrik in der Sichartstrasse 1 – 3 und der Glockengießerstrasse 19 – 21.
Bleiben Sie zunächst auf dem „Justin Wundersteg“ stehen und genießen den Blick über die Pegnitz. In östlicher Richtung fällt uns die starke Bebauung an den beiderseitigen Ufern auf. Das Industriemuseum auf der Nordseite und ein Wohnhaus an der Südseite, aber auch die Wehre können wir erkennen. Der Blick nach Westen zeigt uns das Gebäude der Stadtwerke mit der Turbinenanlage und am nördlichen Ufer das Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt
Das 1. Wehr liegt vor der Wasserbrücke, das zweite Wehr vor dem Industriemuseum also an der Stelle, die am dichtesten mit Industrieanlagen besetzt war und das dritte Wehr war bei der ehemaligen Fa. Dietz, es wurde 1938 ausgebaut. Das vierte Wehr wurde neu erstellt für den Betrieb einer Turbine.
Warum der Steg „Justin Wundersteg“ heißt, soll hier erklärt werden.
Justin Wunder war Chemiker und tätig in der Nürnberger Ultramarinfabrik Zeltner.
Johann Zeltner kaufte am zweiten Pegnitzwehr eine ehemalige Stahldrahtfabrik und verlegte das Laboratorium hierher nach Lauf, an den Zeltnerplatz, am rechten Pegnitzufer. Direktor dieser Filiale war Justin Wunder.
-Ultramarin wurde aus Lapislazuli gewonnen, das war sehr teuer. So suchte man nach einer Formel für seine künstliche Herstellung.
-Wunder entwickelte 1873 ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Ultramarinviolett und 1876 von Ultramarinrot. 1877 ließ Johann Zeltner das erste Deutsche Reichspatent in Berlin auf seinen Namen eintragen, das war damals so üblich. Wunder bekam Tantiemen dafür (für jeden verkauften Zentner Ultramarin 3 Gulden).
- Die Herstellung von Ultramarin war nicht nur aufwändig, sondern auch gesundheitsschädlich, es entstanden schwefelhaltige Abgase. Nach Beschwerden durch die Laufer Bevölkerung verlegten die Besitzer das Labor nach Nürnberg.
Der Rundweg führt nun zum anderen Pegnitzufer, also entlang der linken Pegnitzseite oder dem Südufer weiter die Straße Am Steg hinauf, vorbei an der Pegnitztherme in die Samstagstraße zur ehemaligen Villa der Familie Barth
⚙️ 4. Station in der Samstagsstraße 2 an der ehemaligen Villa der Familie Barth
Barth´sche Mühle
Von der Holfeldermühle zur Barth’schen Kunstmühle
-Die Mühle wurde ca. 200 Jahre von der Familie Siebenkees betrieben. Der Besitz wurde 3 Generationen lang weitergegeben und zwar an Töchter. Somit änderten sich auch die Familien- bzw. Besitzernamen: Siebenkees – Samstag-Holfelder und schließlich Barth.
-Neben der noch erhaltenen Villa der Familie Barth befand sich die Kunstmühle Barth. Das Gebäude wurde 1983 abgerissen und an der Stelle ein Wohngebäude errichtet.
1434 wird im Salbuch bereits von einer Mühle berichtet, in der Folge werden immer wieder andere Besitzer genannt und von 1664 bis 1866 ist die Mühle in Besitz der Familie Samstag. dies war eine wichtige Familie in Lauf und sie gaben der Straße den Namen.
1866 heiratete Johann Friedrich Barth seine Cousine Katharina Barbara Siebenkees, die Erbin der Holfeldermühle. Barth selbst entstammte einem Hopfenhändlergeschlecht,
das über die Firmen Barth&Sohn jetzt BarthHaasGmbH in Nürnberg und Barth&Weigmann bzw. Barth&Wiedemann in Lauf, jetzt in der Hallertau, bis zum heutigen Tag fortbesteht.
Johann Friedrich Barth vollzog den Wandel der Mühle von der herkömmlichen Art zum Kunstmühlenbetrieb.
-Mit einem leistungsfähigen Transportsystem von 9 Fuhrwerken konnte ein weiter Einzugsbereich östlich von Nürnberg bis Altdorf bedient werden. In ihrer Blütezeit verfügte die Firma über 18 Pferde und einer Gesamtbelegschaft von bis zu 30 Personen. Müller waren mittlerweile von reinen Lohnbetrieben zu Produzenten und Händlern geworden.
Während des 1. und 2. Weltkrieges gehörte die Kunstmühle J. F. Barth zu den Hauptversorgungsträgern für die umliegenden Landkreise.
-1980 wurde der Betrieb eingestellt, von allen Mühlen bestand die Barth’sche Mühle am längsten.
-Das Mühlengebäude wurde abgerissen und es entstand an dieser Stelle ein Wohngebäude.
-Die anschließende Villa der Familie Barth wurde an die Stadt Lauf verkauft. Es sollte die Stadtbücherei eingerichtet werden, was aber dann doch nicht vollzogen wurde.
-Die Familie Behrmann kaufte die Villa 1984 und sanierte sie. Der große Garten wurde zu einem Parkt umgestaltet und ist in den Sommermonaten für die Öffentlichkeit zugänglich.
Unser Rundgang führt uns nun weiter durch die Samstagsstraße bis zur ehemaligen Schlicht’schen Mühle, einem Backsteingebäude, das direkt an der Pegnitz im Jungmühlenhof steht.
⚙️ 5. Station am 1. Wehr, linkes Pegnitzufer
Schlicht’sche oder Grünauermühle
-Den Vorgänger dieser Mühle nannte man Ziegelmühle, da sie Wasser für eine nahe gelegene Ziegelei schöpfte. Später wurde daraus die Schlichtmühle, benannt nach seinem Besitzer.
-Die Mühlen wurden meist nach ihren Besitzern benannt und nicht nach dem Produkt, das hergestellt wurde. Die Bezeichnungen haben sich bis heute erhalten.
-Diese Mühle bestand schon 1562 und wechselte des Öfteren den Besitzer.
1893 erwarben Georg und Pauline Schlicht die Mühle, sie wurde neu gebaut als Kunstmühle, seitdem wird sie als Schlichtmühle nach ihrem Besitzer genannt. 1962 wurde der Betrieb eingestellt.
-Heute erinnern die in den Fluss ragenden Gebäudeteile an die schräg hintereinander angebrachten Mühlräder. Darunter verbirgt sich ein Klappenwehr, das die Wasserhöhe des Pegnitzflusses regelt. Die Regelung erfolgt aus der Ferne, durch das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg.
Wir überqueren die Wasserbrücke zum rechten Pegnitzufer und gehen zur letzten Station unseres Rundganges: hier stand ehemals die Mauermühle.
Bis heute besteht noch die einstmals mit ihr verbundene Schleifmühle Reichel.
⚙️ 6. Station am 1. Wehr, rechtes Pegnitzufer
Mauermühle
Die Bezeichnung Mauermühle rührt von dem Umstand, dass sie ehedem an die Stadtmauer beim Wassertor angebaut wurde.
Sie wird 1275 als „Mühle am Markt“ zum ersten Mal erwähnt (eine Stadtmauer gab es noch nicht). Es werden immer wieder neue Besitzer in den Chroniken genannt. So gehörte sie ab
1540 dem Müller Michael Nider und 1642 kaufte Konrad Siebenkees die Mühle.
1911 gerieten die Besitzer in Konkurs. Die Mühle wurde zwangsversteigert und ging um 56 000 Mark in den Besitz der Herren Ortegel und Sohn in Röthenbach über. 1915 zerstörte ein Brand die Mühle vollständig. Die Stadt Lauf kaufte die Ruine und errichtete hier das zweite städtische Elektrizitätswerk.
⚙️ 7. Station Museum Schleifmühle Reichel
Reichel’sche Schleifmühle
-Der Schleifer musste dem Müller aus der Mühle jährlich 3 Gulden und 1 Fastnachtshenne geben oder „zinsen“ und an die Stadt Lauf 60 Pfennig.
-1890 heiratet die Besitzerin Kunigunde Schmidt, eine Witwe, ihren Gesellen Franz Reichel, und so blieb die Schleifmühle bis 1988 in Besitz der Reichel’schen Familie, bis schließlich Schleifer Alexander Reichel wegen Krankheit den Betrieb schließen musste.
- Die Schleif‘ stand dann zunächst still bis 2004 die Altstadtfreunde Lauf das Gebäude mieteten und sanierten. Im Jahr 2006 konnte das „Museum Reichel’sche Schleifmühle“ eröffnet werden.
-Die Stadt Lauf erwarb das Gebäude 2007 und übergab es den Altstadtfreunden Lauf e. V. mit dem Auftrag, es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Pflege zu übernehmen.
Sie sind nun am Ende des Rundganges angekommen. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und hoffen, dass wir Ihnen einen wichtigen Teil der Stadtgeschichte vorstellen konnten.
Das Museum Reichelsche Schleifmühle ist nicht immer geöffnet, deshalb möchten wir Sie auf die Öffnungszeiten aufmerksam machen.
Eine Besichtigung ist von April – Oktober zu den Öffnungszeiten möglich, die wie folgt sind:
-1. Samstag im Monat von 11.00 – 14.00 Uhr
-3. Samstag im Monat von 14.00 – 16.00 Uhr
In den Sommermonaten von Juli – September ist die Schleifmühle zusätzlich am
-1. Mittwoch im Monat von 14.00 – 16.00 Uhr und am
-4. Mittwoch im Monat von 14.00 – 16.00 Uhr geöffnet
Eine Besichtigung durch Gruppe ist nach Anmeldung bei den Altstadtfreunde Lauf e. V. möglich: Tel.: 09123 184174 oder Mail: info@altstadtfreunde-lauf.de
Die Besichtigung ist kostenfrei, Spenden für die Unterhaltung der Schleifmühle werden gerne angenommen.
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